Blessing 2015
Blessing 2015

John Cleese – Wo war ich noch mal?

 

Mit bekanntem Humor erzählte Biographie

 

„In anderen Bereichen verlor ich allmählich meine Reserviertheit – oder, im St.- Peter´s-Jargon, etwas Feuchte hinter den Ohren“.

 

Was umgehend zu einer „echten“ Rauferei führt, was umgehend zu einem „klassischen Cleeseschem Nachdenken“ führte und damit umgehend zu einer Vertauschung der Rollen (hatte Cleese zunächst die Oberhand, fand er sich nach einem komplizierten Gedankengang nun untern „im Dreck“ wieder“.

 

Zum Glück (und auch wenn es seine Zeit benötigte), bis auf sein privates Desaster bei seiner letzten Scheidung (nicht menschlich, eher finanziell), hat sich John Clesee weiterhin nicht mehr gerauft, sondern seine sehr britische Trockenheit, seinen sehr andersartigen Humor und seine Schaffenskraft in den Dienst der kreativen Kunst gestellt.

 

Mit den bekannten Folgen (die vor „Monthy Pythons Flying Circus“ bereits erste Spuren gezeigt hatten und die nach Monthy Python noch  lange nicht auserzählt sind).

 

„Mein erster Kampf war auch mein Letzter geblieben“. Auch wenn Zeitungen anderes über den ein oder anderen Disput mit Terry Gilliam zu berichten wussten, „ich erinnere mich definitiv nicht an einen Kampf mit Terry Gilliam“. Zumindest nicht auf körperlicher Ebene, sollte man hinzufügen.

 

Denn kreativ war John Clesse immer einer, der seine Ideen verteidigt hat, der sich durchaus auch an Kollegen rieb, der, letzten Endes, Monthy Python verließ, als er sah, dass seine persönliche Richtung, sein Geschmack, sein Potential in dieser basisdemokratischen Künstlergruppe nicht (mehr) genügend Entfaltung fand.

 

Im Plauderton, bei dem der britische Akzent fast „herauszuhören“ ist, flüssig und teilweise zum Wegwerfen komisch, erzählt Cleese teils aber auch sehr lakonisch seine Lebensgeschichte, entführt den Leser dabei in die Zeit der Entwicklung neuer Kunstformen Mitte der 60er bis Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, gibt Einblick in die charakterliche „Ausgewogenheit“ der ganz andersartigen Komik von Monthy Python, lässt den Ernst des Lebens (den Alkoholismus Graham Chapmanns z.B.) dabei nicht aus, erzählt von seiner weiteren schauspielerischen und künstlerischen Entwicklung und gibt ebenso Einblick in sein privates Leben (mit entsprechend ironischer Distanz im Übrigen).

 

Wobei Cleese immer den scharfen Blick (gemildert durch seine blumige Ausdrucksweise) auf das behält, was an Veränderungen in der Welt (nicht nur des Humors) stattfindet.

 

„In alten Zeiten haben Menschen um ein Foto von Dir gebeten. Heute geht es immer, immer um ein Foto mit Dir. Damit die Leute sagen können: „Schau mal, hier bin ich mit…..“.

 

Bedenklich findet Cleese diese Änderung der Mentalität in der Gesellschaft, dem eigenen Leben mehr Bedeutung verleihen zu können, wenn sie „den Anzug von……“ berührt haben.

 

Einer, der von sich sagt, dass ihn kein gewaltiger Ehrgeiz je angetrieben hätte noch antreiben würde, der einfach eines Tages feststellt, dass sein Leben „außerordentlich geschäftig“ geworden ist.

 

Einer, der Kontrolle über seine Kunst immer angestrebt hat, aber Verantwortung für Abläufe ungern umfassend übernahm.

 

Clesse schreibt hoch sympathisch, gibt dem Leser nie das Gefühl, dass er sich selbst zu ernst nehmen würde, hinterlässt aber auch nicht den Eindruck, mit seinen Memoiren zum 75. Geburtstag nur das eigene Image bedienen zu wollen.

 

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre von und über einen kreativen Freigeist.


M.Lehmann-Pape 2015