Hanser 2014
Hanser 2014

Juan Pablo Cardenal, Heriberto Araujo – Der große Beutezug

 

Der Eroberungszug der „stillen Armee“

 

Die Augen der Welt richten sich aktuell eher gen Osten Europas und verfolgen misstrauisch die Expansionspolitik Putins.

 

Doch schon seit langem ist klar, dass die „zweite“ Weltmacht (oder, eigentlich, die erste Weltmacht, sieht man sich die Schulden Amerikas in China an) in China heranwächst und zu finden ist.

 

Seien es die rigorosen Niederschlagungen von „Aufständen freier Meinung“, seien es die unverhohlenen Plagiate „auswärtiger“ Technik, sei es vor allem, eher in der Stille, die immensen Landkäufe und Kooperationen mit einem Schwerpunkt in Afrika, bei denen die „Hände“ Chinas, das unermüdliche und unerschöpfliche Reservoir der Arbeiter, sich kräftig ausstrecken nach Land, Nahrungssicherung, Rohstoffen, Einfluss, Macht.

 

Dies ist vielleicht die eigentliche, öffentlich nicht genügend diskutierte „Expansion“ des Milliardenreiches, die, wie im Buch auch herauszulesen, zu oft hinter dem hohen Wirtschaftswachstum Chinas selbst mit all seinen Folgen für Mensch und Umwelt, verschwindet.

 

Wenn es für den Rest der Welt nicht so bedrohlich wäre, müsste man China eine äußerst kluge Politik bescheinigen mit dem einzigen Ziel, dem Land und seiner Führung die Zukunft umfassend und stabil zu sichern. Und das natürlich nicht nur in Afrika sondern an allen lohnenden Orten der Welt, in vielen Schwellenländern und auf vielen Kontinenten.

Mit deutlichen Folgen schon mittelfristig für den „Rest der Welt“ was endliche und seltene Rohstoffe angehen wird, was aber auch ganz simpel und einfach die Nahrung und Nahrungssicherung betrifft.

 

Die Autoren haben es sich zur Aufgabe gemacht, hinter die Kulissen der pompösen Diplomatie und Politik zu schauen und  sorgfältig weltweit recherchiert.  Mit ihrer sehr flüssigen Sprache, die in Teilen fast romanhaft daherkommt, wenn die Autoren den Leser „mitten hinein“ führen an Orte, Lebensumstände, Zustände und die beteiligten Menschen, dann bildet das Buch in umfangreicher Form einen sehr eindrucksvollen und breiten Blick auf all das ab, was China vor und hinter den Kulissen seit Jahren bereits zielgerichtet und stetig betreibt.

 

Von Afrika nach Zentralasien bis hin zu Südamerika, an vielen großen Linien, vor allem aber an vielen, vielen ganz konkreten Beispielen bauen die Autoren ihr Gesamtbild vor den Augen des Lesers auf. Das Bild einer Politik, die auf Abhängigkeit zielt, die die eigenen (oft billigen) Produkte weltweit effizient vermarktet und  dafür von der anderen Seite wirtschaftliche Abhängigkeit und (wertvolle) Ressourcen einfährt. Ein guter Deal für China, ein erkennbar schlechtes Geschäft für die betroffenen Orte und Regionen, wie Cardenal und Araujo sehr konzentriert aufzeigen. So, als würden weltweit „Außenposten China“) entstehen, in denen chinesische Produkte, Chinesen selbst und chinesische „Lebensart“ (vor allem „Wirtschaftsart“) verschiedene Regionen und Bereiche einfach assimilieren.

 

 

Ein sehr fundiertes, gut zu lesendes, hoch informatives und wichtiges Buch, welches ungeschminkt aufzeigt, was Chinas Handel konkret für die „Handelspartner“ bedeutet und welche Folgen dies für die gesamte Welt bereits hat und zunehmend haben wird.

 

M.Lehmann-Pape 2014