C.Bertelesmann 2012
C.Bertelesmann 2012

Juliette Grèco – So bin ich eben

 

Lebensrückblick

 

Sängerin, Schauspielerin, Femme fatale, Muse, Geliebte, emanzipiert Liebende, vor allem aber ein Mensch, der gerade zu Beginn ihres Lebens an einen (gezwungenermaßen) anderen Lebensweg zu gehen hatte. Nun, im 85. Lebensjahr, blickt Juliette Gréco zurück.

 

Auf die schwierigen Kinderjahre quasi ohne Mutter, die zum einen für die Resistance kämpfte (wie Juliette selbst und eigentlich die ganze Familie), die aber zum anderen aber auch ihre Rolle als Mutter nie wirklich annahm. Von Bedrängung und Verhaftung im Krieg, davon, wie sie als 16jährige auf sich gestellt beginnt, in Paris Fuß zu fassen. Bald schon ist sie im Umfeld der „Existentialisten anzutreffen“, hat Umgang mit Künstlern wie Sartre (einer ihrer Entdecker gar) und entdeckt ebenso früh, dass ihr eigentliche Wellt  die Bühne ist. Ein „Leben um zu singen“, das ist ihr Weg.

 

Und ein Leben, in dem sie den Mund nicht halten wird, die durchaus mit dem Kopf durch die Wand manches Mal zu gehen versucht, die nicht klein beigibt.

„Das Publikum zu erobern ist nicht einfach“, sagt sie in ihren Erinnerungen lapidar und gibt dem Leser Einblick darin, dass es für ein „hübsches Ding, frech und respektlos“ zur damaligen Zeit eine eher frostige Atmosphäre beim Publikum gab und  nicht unbedingt einen warmen Empfang. Wo sie „ein paar Mal von der Bühne flüchten musste“. Nicht unbedingt Anzeichen einer beginnenden großen Karriere, die dennoch von Grèco mit Durchhaltevermögen erreicht wurde. Im Übrigen nicht zuletzt durch eine Reihe von Rollen in Filmen, die ihr Gesicht durchaus mehr und mehr bekannt machten

 

Eine Karriere, die von einer Vielzahl von Affären mit bekannten Männern begleitet wurde, Miles Davis und Michel Piccoli, aber auch Philippe Lemaire (der Vater ihrer Tochter). Einerseits chronologisch erzählt Gréco von ihrem Leben (beginnend im Buch mit der Kindheit), versteht dies aber eher als „losen Faden“, denn später sind die Kapitel im Buch eher thematisch geordnet. Von „wunderbaren Begegnungen“  spricht sie (auffällig, dass sich Grèco anscheinend nur an prominente Menschen „erinnert) von den „Lieben“, vom „Singen und Spielen“ sie. So teilt sich das Buch in einen chronologisch aufgebauten Teil und thematische Blöcke auf.

 

Die Lektüre hinterlässt einen leicht gemischten Eindruck. Einerseits sind die vielen Internas von Kunst und Kultur gerade der 50er und des Beginns der 60er Jahre in Paris interessant zu lesen, ebenfalls nötig die Gradlinigkeit der Grèco Respekt ab. Andererseits ist sicherlich das Wort, das im Buch am Häufigsten vorkommt das Wort „Ich“ in Verbindung mit den Wichtigkeiten, vor allem „den Wichtigen“ ihrer Szene und ihrer Zeit. Ein mangelndes Selbstbewusstsein kann man Juliette Gréco wahrlich nicht unterstellen („Ich hätte noch in einigen großen Produktionen mitspielen können, aber dieses Metier und ich, wir sind nicht füreinander gemacht“.

So wirken doch so manche Darstellungen wie die eines sehr starken, ungehemmt ausgelassenen Egos, was die Autorin menschlich nicht unbedingt immer sympathisch erscheinen.

 

In der Sprache ist das Buch einfach zu lesen, hier und da gar ein wenig plump im Ausdruck. Dennoch verbleibt nach der Lektüre ein durchaus befriedigender Eindruck einer Lebensschau auf einen besonderen, emanzipierten, zu Beginn nicht mit einem leichten Schicksal versehenen Lebensweg, der das Lesen lohnt.

 

M.Lehmann-Pape 2012