Piper 2015
Piper 2015

Kai Psotta – Die Paten der Liga

 

Fundierter Einblick hinter die Kulissen

 

Ein wenig dick aufgetragen kommt das Buch schon auf den ersten Blick daher.


„Paten der Liga“ erinnert an die Cosa Nostra, mafiöse Strukturen aber finden sich nun nicht als generelle „Arbeitsweise“ von Spielerberatern (auch wenn manch halbseidene, teilweise offiziell kriminelle Männer (wie bei einem von Ribberys Beratern) sich in dieser Szene mit tummeln).

 

Auch die Behandlung der Notizen und Gesprächsprotokolle unter äußerster Geheimhaltung in Tresoren, die an Watergate oder Snowden denken lässt, wirkt im Lauf der Lektüre doch ein wenig übertreiben (wenn auch nicht gänzlich unnötig).

 

Denn vieles, was Psotta flüssig und unterhaltsam zu erzählen weiß, hat der fußballinteressierte Leser schon geahnt. Im Groben zumindest.

 

So ist es vor allem der Wert dieses Buches, die groben Linien mit feinem Schliff und konkreten Details zu füllen. Zahlen zu nennen, angehangen an konkreten (wenn auch oft im Namen verfremdeten) Beispielen.

 

So lohnt die Lektüre allein schon in den Bereichen, in denen Psottta minutiös Vertragswerke auseinanderbaut und das jeweils dahinter stehende Einkommen beziffert. Mitsamt der dicken Scheibe für den Spielerberater und mitsamt den Tricks (verschwiegene Ausstiegsklauseln), um diese Scheibe noch dicker zu machen. Mitsamt auch jenen „Verbindungen“, bei denen still und heimlich der ein oder andere Manager der Bundesliga in Absprache mit einem Berater sich ganz allein auf Kosten von Spieler und Verein die Taschen gefüllt hat.

 

Wobei dies nicht die Regel ist, wie überhaupt überwiegend differenziert auch die Leistungen, die Funktion der Spielerberater mit herausgestellt wird. Schwarz oder Weiß gilt hier nicht, auch das eine Erkenntnis der Lektüre.

 

Hier und da irritierend in der Form wirkt die teils leicht assoziative Vorgehensweise des Autors, der doch nicht selten munter die Themen mitten im roten Faden wechselt.

 

Sicher wird im Kapitel „wenn Du eine Wahnsinnsposition hast, kannst Du auch Wahnsinn fordern“ (fast aber am Rande) erläutert, wie „Mondzahlen“ für Transfers zusammenkommen und warum sie sich dennoch rentieren für Top-Spieler.

 

Das aber nun gerade in diesem Kapitel seitenweise akribisch die Punktesummen für die Spieler einzelner Vereine ausgeführt werden verbindet der Leser nun aber nicht unbedingt mit dem Thema der 90 Millionen Transfersumme für einen Ronaldo oder Bale.

 

Und das Gerüchte ein wichtiger Bestandteil (auch aktiv gestreut“ dieses Metiers sind, dürfte jedem klar sein (es wird nirgends so viel gelogen wie in der Transferphase). Was das mit der „Sichtung „Guardiolas in einer Münchner S-Bahn nun genau zu tun hat erschli8eßt sich dabei aber ebenso wenig, wie die ausführliche Darstellung (und Werbung) für eine Transfer Internetpräsenz. Sicher informative Fakten; die nur nicht unbedingt zur Kapitelüberschrift passen und daher wie assoziative „Nebenbeigedanken“ mit einzufließen scheinen.

 

Alles in allem für den fußballinteressierten Leser dennoch ein profunder Blick hinter die Kulissen der Bundesliga, auf die Summen, um die es wirklich (gerade für den Spieler) insgesamt geht und auf die hektischen „Makler des Balles“, die alle Tricks versuchen, ihre Klienten gut unterzubringen und für sich nicht zu kurz zu kommen.

 

Weniger also Paten, eher ein komplexes Geschäft mit teils grenzwertigen Methoden.


M.Lehmann-Pape 2015