Klett-Cotta 2013
Klett-Cotta 2013

Katherine Angel – Ungebändigt

 

Worte, Worte, Worte

 

Dafür, dass Katherine Angel im Untertitel betont: „Über das Begehren, für das es keine Worte gibt“, nutzt sie doch sehr viele Worte, um überwiegend Ähnliches zum Ausdruck zu bringen.

 

Zwar setzt sie auch in einen der vielfachen, eher assoziativ wirkenden, Texte ihr: „Worte. Worte. Worte. Ich will mehr schweigen“, führt aber genauso in einem der anderen Texte aus: „Er war still, ich war geschwätzig“.

 

Dass sie schweigend erleben will, „die großen Schultern über ihr“, dass sich die Vielzahl ihrer Einlassungen variierend hauptsächlich um „das Eine“ drehen, da bedarf es beim Leser schon einer gewissen Ausdauer , um neben „dem Einen“ auch noch „das ein oder andere“ an Gedanken, an Reflektionen zu finden, das auch ihn mit anspricht und ein Stück weiter wirkt, als eben nur „das Eine“.

 

Wobei dieses „Eine“ wiederkehrend so verstanden werden kann, dass Angel es sehr zu schätzen weiß, wenn er „hinter hier kniend sie fickt“. Und fickt, und fickt,. Und, immer wieder angedeutet, dabei ihr Hinterteil mit der Hand ausführlich schlägt.

 

„Ich habe Töne, ich habe weniger Worte“, das allerdings kann sich der Leser ins einer Fantasie dann durchaus plastisch vorstellen, auch wenn die reine Zahl der Stellungen überschaubar bleibt und es über das Wort „Ficken“ in den einschlägigen Textmomenten auch kaum hinausgeht.

 

Daneben aber gelingt es Angel durchaus, Gedanken, Momente, kleine Sätze einzustreuen, die poetisch nachhallen.

 

„Ich habe das immer gemocht – das scharfe Erstaunen von Feuchtigkeit auf Haut“.

Und intensiv erlebbar gestaltet sie, tatsächlich mit knappen, komprimierten Worten die Erfahrung ihrer Abtreibung und die innere Depression nach dieser.

„Ich sang nicht mehr“.

 

Vom Begehren getrieben, es „hart“ haben wollen und doch nicht nur „auf das Eine“ aus, sondern auch Empfindlichkeit vermittelnd, in solchen Momenten bieten die thematisch geordneten Gedankenaufzeichnungen (Unter Überschriften wie: „Sich vergeuden, sich riskieren“, „Ihr Begehren, gefickt zu werden“, „Gewaltiger“ und vieles mehr) Impulse und Einblick, die durchaus berühren. In anderen Teilen der Texte dann wieder kann der Leser das Wort „Ficken“ dann auch irgendwann nicht mehr hören. Bis dann die dargestellten inneren Reaktionen Angels auf einen Vortrag von Shere Hite wieder zu fesseln vermögen in der inneren Reibung zwischen Gehörtem (dem Angel durchaus nicht abgeneigt gegenüber steht) und den inneren Wallungen, die umgehend während des Vortrages sich wieder in ihr rühren.

 

Ein Buch um die Lust nach ungeschminktem Sex, dass einen gespaltenen Eindruck hinterlässt. Mal nahe kommend und des Nachdenkens wert, mal übertrieben einseitig und fantasielos „das Eine“ nur in Stichworten „laut“ auf die Seiten schreibend. Durchaus aber beeindruckend in der dargestellten Spannung zwischen einem klugen Verstand, intellektueller Tiefe und rohem, nicht zu bändigendem Trieb.

 

M.Lehmann-Pape 2013