Ullstein 2012
Ullstein 2012

Klaus Hoffmann – Als wenn es gar nichts wäre

 

Der lange Weg zu sich selbst

 

Ein einfaches Leben mit sich selbst, ein einfaches „Aufwachsen“, ein einfaches Elternhaus, das hat Klaus Hoffmann nicht gehabt. Da geht es nicht nur um den frühen Tod des Vaters in diesen erweiterten Nachkriegsjahren in Berlin. Das da grundlegend die Beziehungen nicht wirklich stimmten findet der Leser schon in jenem Satz, den Klaus Hoffmann früh niederschreibt: „Vater war nicht der, den Mutter gemeint hatte, als sie sich kennenlernten“.

 

Und die Mutter arbeitete zudem mit, es war nicht leicht, das Leben zu gewährleisten in jener Zeit. Leicht auch nicht für den „kleinen Klaus“, der schon früh mit ausgeprägter Phantasie versehen war und oft allein zu Hause war, „nur mit Oma Müller und meinen Geistern“.

 

Seit er auf der Bühne steht. hat Klaus Hoffmann musiziert und erzählt, Lieder zum Besten gegeben und Zwischenräume mit Geschichten gefüllt, wie er es auch heute noch bei seinen Konzerten zu halten pflegt. Phantasie, oft das leicht Melancholische-Poetische in den Raum bringend. Ein Stil, den Hoffmann auch im Buch zeigt und der die Lektüre nicht nur zu einer „Informationsübertragung“ macht, sondern durchaus zu einem poetischen, emotionalen Erlebnis hier und da zu gestalten versteht.

 

Das Tastende und Suchende ist eben kein einfaches „Markenzeichen“ des Künstlers, sondern, liest man dieses Buch aufmerksam, tatsächlich Teil seiner Persönlichkeit und seines künstlerischen Schaffens.

Schon mit dem künstlerischen Akt, der zu seiner ersten breiten Bekanntheit führte, seine Rolle im Film „Die neuen Leiden des jungen W.“ von Ulrich Plenzdorf zeigt sich diese melancholische Tiefe ja durchaus.

 

Ebenso in seiner Verbundenheit zum französischen Chanson, wie auch in seinem Anfang der 80er Jahre überaus bekannten Lied von der „blinden Katharina“ („Katharina mach mir Mut und halte mich“, von diesem Vers findet man so einiges auch vom „echten“ Leben des Klaus Hoffmann, liest man im Buch über seine Lieben und seine Verluste). „Halt finden“, wie ein Programm über lange Jahre des Lebens. Halt für sich selbst auf seiner „lebenslangen Flucht vor seiner eigenen Geschichte“ (im Lied „Ciao Bella“ kann man einen Teil dieses „Innere“, der „Flucht“ und der Wendung zu sich selbst unmittelbar hören, wie auch in „Wenn“ dem Schlüssellied über seine Kindertage), um dann doch „nach Hause zu finden“.

 

„Man vergisst eben nichts, man gewähnt sich nur daran“. Und muss dann eben lange aushalten, diese „Dauervorwürfe, doch kein anderer, als ich selbst zu sein“.

 

So ist es nicht verwunderlich, dass die frühen Geschichten, Kindheit und Jugend, einen breiten Raum im Buch einnehmen, eingeschlossen der Erinnerungen an Helmut, einen späteren Partner seiner Mutter. Wobei natürlich auch künstlerische Stationen, Freundschaften, Lieben ihren Eingang ins Buch gefunden haben. Überwertig aber setzt sich Hoffmann mit eben jener „seiner“ Geschichte auseinander und gibt einen anrührenden Eindruck seiner „Versöhnung mit sich selbst“.

 

Wie als Künstler schreibt Klaus Hoffmann über Stationen seines Lebens eher leise, tastend, tief und, durchaus, um sich selbst kreisend. Wer Klaus Hoffmann als Sänger und Liedermacher mag, der wird auch dieses Buch mögen, wer bisher mit Klaus Hoffmann  wenig „Begegnungen“ hatte, der wird sich an diesen Stil erst gewöhnen müssen um dann diese durchaus „mit sich selbst“ erschwerte Lebensgeschichte durchaus mit Interesse zu lesen.

 

M.Lehmann-Pape 2012