Ullstein 2015
Ullstein 2015

Klaus-Rüdiger Mai – Dürer

 

Lebendige biographische Darstellung

 

Dem Anliegen Mais, in dieser umfassenden Biographie des „Universalgenies der Deutschen“, Albrecht Dürer, einen besonderen Schwerpunkt auf das persönliche Leben des Künstlers zu legen (und damit das Werk des Meisters aus dessen Verbundenheit in den kulturellen Strömungen seiner Zeit und den eigenen, biographischen Erlebnissen heraus darzustellen und zu erläutern) , folgt Mai von Beginn an auch in der gewählten Art der Darstellung.

 

Lebendig, fast wie ein Roman, zumindest in der Form von Erzählungen gestaltet er die Lektüre, beginnend in fast dem Duktus eines Abenteuerromans, was die „Rettung“ des „Rosenkranzbildes“ durch Rudolf den II. angeht.

 

Eine Art der Darstellung, die den geübten Romancier verrät, die aber auch dem Ansinnen Mais in diesem (wie anderen seiner Sachbücher) entspricht: „sich ein Herz fassen“, sprich, dem Künstler, Dürer, menschlich begegnen und seine Gedanken- und Gestaltungswelt damit auch innerlich, intuitiv erfassen.

 

Jener Mann, der im Alter von 34 Jahren stolz beanspruchte, „zum König der Maler“ gekürt zu werden und in dessen Werk sich durch die Jahrhunderte  hindurch bis heute das Anliegen und Ansinnen Dürers widerspiegelt, mit dem jeweiligen Betrachter in einen „gegenwärtigen Dialog“ zu treten, eine Form der Kommunikation, etwas „Lebendiges“ als Erleben und Ereignis der Begegnung mit der Kunst zu erschaffen.

 

Ein >anliegen, dem Mai nicht nur in der gewählten Form der Darstellung entspricht, sondern auch durch die Struktur im Buch, die wie in Spiralen aus vielfachen Perspektiven heraus um Dürer kreist, die Einflüsse, tragende Erlebnisse, prägende Gedanken aufnimmt, die den Mann und Künstler Dürer geformt haben.

 

Beginnend, natürlich, bei Vater und Mutter, die Migration erläuternd, den tiefen Glauben Dürers beschreiben, dessen Motiv es immer deutlicher wurde, sich „zum Kern der (christlichen) Wahrheit „durchzumalen““.

 

Was ihm, bedingt durch das „Ringen der Zeit“ um die „Erfassung der göttlichen Wahrheit“ bereits ebenso „in die Wiege“ gelegt wurde, wie das Handwerk der Kunst zu diesem Zwecke in der Werkstatt des Vaters im emotional nahegebracht, eingeprägt wurde.

 

„Was das Wesen von Himmel, Erde, Luft und Wasser ausmacht und was den Menschen umfasst, was der feurige Gott im ganzen Weltkreis schafft: Alles trage ich, Philosophia, in meiner Brust“ (Celtis).

 

Schritt für Schritt entfaltet Mai so die Welt, die Kultur, die Atmosphäre der Zeit vor den Augen des Lesers, bindet Dürers Entwicklung und die einzelnen Werke darin ein und verfasst so, am Ende der Lektüre, eine gerade Linie fast in der Biographie und dem künstlerischen Schaffen Dürers, wie für Mai jedes Selbstbildnis des Meisters Darstellung, Betrachtung, Selbstreflexion und Glaubensbekenntnis immer im Gesamten enthält.

 

„Albrecht Dürer glich einem meisterhaften Äquilibristen, der alle Bälle in der Luft behält“. Und das waren viele Bälle in verschiedenen darstellenden Künsten.

 

 

 

Zugunsten einer guten Lesbarkeit sind Anmerkungen, Anhang, Personenregister und Literaturhinweise am Ende des Buches zusammengefasst.

 

Eines Buches, das, wieder einmal, sehr sachkundig und dabei in der Form überaus lebendig erzählt und damit dem Leser die Möglichkeit eröffnet, dem Menschen Dürer nahezukommen, wie ebenso der ausführlichen Interpretation der Werke im Buch nachzugehen. Ergänzt durch vielfache Illustrationen und „Werkschauen“ eine sehr empfehlenswerte Lektüre.


M.Lehmann-Pape 2015