Piper 2016
Piper 2016

Lesley-Ann Jones – Freddie Mercury

 

Der Person ganz nah

 

Bekannt war Lesley-Ann Jones mit Freddie Mercury über eine durchaus lange Zeit. Nicht im engsten Kreis unbedingt, aber doch so, dass die ein oder andere persönliche Szene, das ein oder andere „off records“ Gespräch dabei herauskam. Und in einem menschlichen Sinne bekannt, über die Professionalität der Journalistin hinaus.

 

Genau jene Sequenzen im Buch sind es dann auch, die dem Leser (noch einmal) in besonderer, eindrücklicher Form vermitteln, wie denn der Mensch hinter der überlebensgroßen Fassade, hinter der Bühne, im privaten gewesen ist.

 

Wobei es zwei Momente im Buch sind, die dies besonders gut erschließen und damit den Kern, den roten Faden für all die Lebensbetrachtungen und die biographischen Schilderungen bildet.

 

Zum einen die Erfahrungen eines mit allen Wassern gewaschenen Musikmanagers, der den Narzissmus, die tiefe Bedürftigkeit fast aller „Rock-Stars“ auf den Punkt benennt (und damit auch Freddie in seiner Persönlichkeit treffend zeichnet). Und zum anderen die, bei allen Exzessen des Lebens und aller breit ausgelebter Sexualität und dem Genuss des Ruhms und des Geldes jene immer wieder zu hörenden Aussagen von Freddie, dass er eigentlich ganz anders als sein Image wäre und tatsächlich ja auch späterhin zu einer sehr ruhigen Lebensweise fand.

 

„Hier kann ich atmen, kann denken, schreiben, aufnehmen…“ Und man nimmt es Mercury ab, dass die „Nebengeräusche“ des berühmt seins ihm  nicht behagten außerhalb der Bühne.

 

Was dabei in der Form ebenso passend sich darstellt ist der Beginn des Buches. Jones setzt nicht chronologisch bei der leiblichen Geburt des Mannes ein, sondern bei einer anderen, ebenso „eigentlichen“ Geburt, dem Live-Aid Konzert. Bei dem Freddie Mercury in ganz besonderer Form vollends in seine Rolle des begnadeten Entertainers, des „Great Pretenders“, des Sängers mit dem „Draht zum Publikum“ hineinwächst und damit für seine Band „Queen“ und das Publikum dort und seitdem für eine immense Qualität der Verbindung von Musik, Präsentation und Nähe sorgte.

 

„Nicht nur, dass er sein Publikum verzauberte, er hat auch sich selbst verzaubert“.

 

„Queen-Konzertbesucher sind wie Fußballfans im Stadion, nur dass sie sich nicht zwischen zwei Mannschaften entscheiden müssen.

 

Dass dabei Queen nicht unbedingt eine Gang bester Freunde war, dass es durchaus zwei Lager gab (Freddie und sein persönliches Gefolge auf der einen und der Rest der Band auf der anderen Seite), das auch Spannungen in der Band für die notwendige kreative Reibung sorgten /was unter anderem bei der Geschichte der Entstehung von „Under Pressure“ interessant nachzulesen ist).

 

Und dennoch, vor der Bühne, hinter der Bühne und außerhalb der Bühne gibt es den anderen, den stillen, schüchternen, wohlerzogenen, sich sorgenden, aber auch einsamen, teils fast kindlichen („Pipi“) und vom eigenen Erfolg sich fast auch bedroht führenden Freddie zu finden.

 

„Er war der „Great Pretender“. Es hat ihn erregt, die verbotene Frucht zu kosten“. Und daneben steht die drängende Angst, alleine zu sein.

 

„Er war nicht in der Lage, irgendwohin alleine zu gehen, nicht einmal auf die Toilette“.

 

Ebenso, wie er um den Makel seiner Zähne wusste, der bekannte Schnurbart daher auch ein Stück „Tarnung“ war, diesen Makel aber aus Sorge um seine Stimme nicht korrigieren lassen wollte.

 

 

Ein intimes, anregendes Werk, in dem Freddie Mercury in all seinen Facetten, seinem Werk, seinem Leben, seinem Sterben beleuchtet wird. Und darüber hinaus lässt Jones das Buch nicht mit dem Tod des Sängers enden, sondern schließt die dann noch offenen Fäden mit einem Blick auf das weitere Ergehen des engen Kreises um den charismatischen Künstler.

 

M.Lehmann-Pape 2016