Suhrkamp 2014
Suhrkamp 2014

Lily Brett - Immer noch New York

 

Fortsetzungen aus dem persönlichen  Leben inmitten New Yorks

 

Nahtlos fast schließt sich "Immer noch New York" an "New York" an, den damals bunten und vielfachen Eindruck eines Lebens in New York.

 

Wobei Lily Brett, damals wie heute, ja nicht als Fremdenführerin agiert, sondern in ihrer sehr flüssigen und hervorragenden Sprache dem Leser das Leben in der Stadt aus den vielfachen Facetten ihrer persönlichen Erlebnisse, mitten aus ihrem Leben heraus, näherbringt.

 

In der Form eher in vielen, kleinen Kurzgeschichten und mit durchaus trockenem Humor erzählt Brett von den großen und kleinen "Alltäglichkeiten".

 

"In New York kochen die wenigsten Leute regelmäßig. Das liegt unter anderem daran, dass die Küchen in den Wohnungen hier sehr, sehr klein sind........Ich koche leidenschaftlich gern".

 

Und wie nun beides zusammengeht und welches Gewese man um einen kleinen Sack Kichererbsen machen kann (natürlich nicht "irgendwelche" Kichererbsen, da hat New York schon mehr zu bieten) und was aus zehn Pfund getrockneten Erbsen so alles an Masse werden kann (sehr zur Überraschung Bretts) ist eine der kleinen Portraits vom teils verrückten Alltag der Autorin.

 

Ebenso, wie sie einen Blick auf die Veränderung der Kaffeegewohnheiten der New Yorker durch die Ausbreitung australischer Cafés nicht auslässt  oder den Leser mit auf die innere und äußere Reise nimmt, wenn Lily Brett plant, einen Strudel zu backen.

 

So reiht sich Geschichte an Geschichte, deren verbindender Kern zunächst einmal gar nicht unbedingt die Stadt selbst zu sein scheint oder das, was das Leben dort einzigartig gestaltet, sondern vor allem die Person der Autorin selbst nebst einiger Rückblicke in die Familiengeschichte.

 

Was genau ein nachts zusammenbrechendes Bücherregal mitsamt der den Absturz heil überlebenden Kostbarkeiten mit New York zu tun hat, erschließt sich in dieser Episode nun wirklich nicht, das Regal hätte an jedem Ort der Welt umfallen können.

 

Wohl aber fließen immer wieder, auch bei diesem Regal, kleine Hinweise auf innere Haltungen ein, die ein stückweit das Fatalistische des "New Yorkers" einerseits (Ich geriet nicht in Panik) und das leicht neurotisch-nervöse des Lebens dort andererseits (Panik behalte ich mir für geringfügige Anlässe vor) wie nebenbei mit einfangen.

 

So verbleibt im Gesamten eine Melange aus kleinen, persönlichen Anekdoten, mit  leichter Hand sprachlich schön erzählt (aber im Kern der Aussagen oft wenig bedeutsam, außer man möchte mehr über den Alltag der Autorin erfahren), gepaart mit Einblicken tatsächlich aus dem Inneren des Erlebens in der Stadt, mit der besonderen Note einer Atmosphäre ("Ich mag es, Lebenszeichen von den Nachbarn zu hören. Ich finde es oft tröstlich)  und den speziellen Besonderheiten an vielen Ecken der Stadt.

 

"Da wir hier in New York sind, gab es Cupcakes ohne Mehl, glutenfreie Cupcakes und milchfreie Cupcakes".

 

 

Was nicht unbedingt von tiefster Bedeutung ist, teilweise eher zusammenhanglos daherkommt, aber dennoch sich ganz flüssig im Buch liest als kleine Lektüre nebenbei.

 

M.Lehmann-Pape 2014