Piper 2018
Piper 2018

Ludovic Escande – Auf eine Zigarette am Montblanc

 

Eine etwas andere Art, sich selbst wieder „ins Lot“ zu bringen

 

Eigentlich müsste man direkt die übliche Warnung aussprechen, dass man dieses Unternehmen von Ludovic Escande natürlich so nicht nachahmen sollte.

 

Ohne Ahnung, eher untrainiert, Raucher, dazu sind die meisten Höhen, die der Autor im Vorfeld erklommen hat eher Barhocker oder die Stufen in ein Café oder Restaurant herein. Und wenn dann noch eine ausgeprägte Höhenangst hinzukommen, ist der Montblanc sicher gedanklich der letzte Ort, den ein Lektor aufsuchen sollte, um einem diffusen Bedürfnis nach Freiheit nachzukommen und zugleich einer gewissen Bedrängung im „normalen“ Leben zu entfliehen (es läuft nicht gut mit der Ehefrau).

 

Somit eine ziemliche Schnapsidee, auf die Escanda da, ein wenig angeheizt durch Freunde, kam. Den Montblanc zu besteigen. Mal so.

 

„Der Couloir du Gouter….Sie haben gut daran getan, mir vorher nichts davon zu erzählen….nur ein einziger Pfad führt über diesen Engpass“. Das ihm da mulmig wird, kein Wunder. Aber bis zu diesem Teil der Geschichte ist ja schon einiges passiert. Was nichts anders heißt, als dass jenes „mulmig sein“ inzwischen „der natürliche Zustand“ des Buchschaffend am Berg ist.

 

„Warum rennen die so“?

„„Du bist dran“, ist da Einzige, was Daniel antwortet“. Und hängt dem armen Mann den Klettergrund ansonsten schweigend in das Kabel ein.

 

Zu Recht im Übrigen, wie sich nach der Durchquerung der Engstelle herausstellen wird, dass diese Stelle „Todeskorridor“ genannt wird, da sich Felsstücke gerne mal im oberen Beriech lösen und dann wie eine Kugel die Rinne entlangschießen (und dabei natürlich alles mitnehmen, was sich darin befindet, auch und gerade Bergsteiger).

 

Wobei schon der Anfang, bei allem guten Willen, sich schwierig gestaltet. Als sich umgehend die ersten Schmerzen schon beim einfachen Training einstellen.

 

„Haben sie zuvor Sport gemacht“?

„Nicht richtig“!

 

Auch wenn Escande erfahrene Freunde als Begleiter hat, nachmachen sollte man das auf diese Weise tatsächlich nicht. Wobei allerdings die Lektüre über dieses „Selbstfindungs-Abenteuer“ durchaus schön zu lesen ist, von Humor und der Fähigkeit, sich über sich selbst lustig zu machen, zeugt, an den wichtigen Stellen mit Tiefgang aufwartet und am Ende tatsächlich dem Leser Lust macht, sich vielleicht selber mal ein Stück „auf den Weg“ zu machen. Denn ein gewisser Abstand zum Alltag, zum teils auch eingefahrenen eigenen Leben, das macht auf jeden Fall Sinn, wie man mit Escande Seite für Seite miterleben kann. Es muss ja nicht für jeden unsportlichen Anfänger gleich der Montblanc sein.

 

„Ich wusste gar nicht, dass Sie Bergsteiger sind“.

„Ich wusste es selber nicht, es war das erste Mal“.

 

 

Eine gut zu lesende, schöne und durchaus menschlich nahegehende Geschichte.

 

M.Lehmann-Pape 2018