Goldmann 2012
Goldmann 2012

Lutz Schumacher – Eigentlich wollte ich doch nur einen Toaster

 

Leben mit der lieben Technik

 

Es ist ein altbekanntes Thema (und doch immer wieder aufs Neue ein Erleben), mit dem sich Lutz Schumacher mit feinem Humor in diesem Buch auseinandersetzt. Mensch und Technik treffen aufeinander. Besser gesagt, Mensch und „Erzeuger“ der erworbenen neuen Technik treffen (entweder via Bedienungsanleitung oder ganz allgemein beim „Herantasten“ an das Gerät) in nicht immer bester Weise aufeinander.

 

Das fängt bei einem sehr verbreiteten „Diener der Moderne“, der Computer, schon bei den mythischen Bezeichnungen „AMD Dual Core E-300 CPU“ samt „AMD Radeon HD 6310“ (oder vielen anderen erstmal rätselhaften Bezeichnungen) an und hört beim Toaster noch lange nicht auf. Vor allem dann, wenn man einem Neuerwerb nicht aus dem Weg gehen kann. Nicht nur, dass das gleiche Gerät knapp 60 Minuten später im neuen Prospekt für 50 € weniger angeboten wird, sondern dass bei der Einrichtung, den ersten Nutzerschritten und dann im Anblick ständiger „Updates“ (die ganz automatisch vollzogen werden) mehr als einmal der Absturz im Raume steht und die Haare zu Berge. Dabei wollte man doch nur ein Hilfsgerät, keine Lebensaufgabe.

 

Auch wenn Schumacher natürlich karikiert und übertreibt, wer hat nicht schon solche oder ähnliche Erfahrungen hinter sich? Und auch bei den weiteren Themen kann man ihm durchaus im Grunde folgen, vor allem im Blick auf „Haushaltsgeräte, die nach einmaligem Gebrauch in der Versenkung verschwinden“. Brotbackautomat (steht bei Schumacher im (nicht auf) Schuhschrank, gleich neben dem Scanner), der zumindest in seinem Haushalt alles, teils auch von alleine, tat, nur nicht ein echtes Brot hervorzaubern. Eismaschine, Raclettmaschine (letztlich viel zu aufwendig), Elektrogrill (schmeckt einfach nicht) bis hin zur Top modernen „Südfruchtpresse“ oder dem Kirschkernentsteiner. Alles mal angeschafft, alles im Alltag Schumachers nicht bewährt wie der Autor breit zu erläutern versteht.

 

Beginnend bei der wunderbar neuen Espresso Maschine. „Neulich war es soweit. Meine Kaffeemaschine übernahm die Herrschaft in meinem Haushalt“. Statt dem lechzenden Bedürfnis nach einem Espresso nachzukommen, schaltete die Maschine auf „automatische Selbstreinigung“ und verweigerte mit immer neuen „Wünschen“ dann den weiteren Dienst.

 

Einerseits also liest sich das Buch locker und leicht und sorgt dabei für manches Schmunzeln, so wie im Hotel unter der Dusche mit dem „selbsterklärenden Touch-Screen“ statt bekannter Mischbatterie und den darauf folgenden „Wechselbädern“ für den Journalisten. Andererseits übertreibt es Schumacher dann doch zu sehr, denn man darf davon ausgehen, dass jede Menge „Nutzer“ mit Espressomaschinen, Brotbackautomaten, vollautomatischen Toastern Computern und allem weiteren an sinnvollen (und sinnfreien) Geräten durchaus erfolgreich Umgang pflegen. In dieser Hinsicht sind die vielen Erlebnisse Schumachers nicht ganz ernst zu nehmen und ermüden hier und da schon auch ein wenig.

 

Andererseits, die völlige „Durchtechnisierung“ des Alltages nimmt er schon gekonnt auf die Schippe und stellt dem Leser damit hintergründig vor Augen, dass vieles eigentlich nur um des Scheins und nicht um des wirklichen Seins erworben wird (sein uralt Laptop zumindest arbeitet ja einwandfrei). Und so verbleibt dann auch nach der Lektüre der ein oder andere kritische Blick auf die vielen blinkenden Lichter in Büro, Küche und multimedialem Wohnzimmer.

 

Das Buch bildet, trotz so mancher unglaubwürdiger Übertreibungen, eine flüssig zu lesende Unterhaltung für nebenbei und einen durchaus humorvoll-kritischen Blick auf all die blinkende Technik, die das Bedürfnis zum „haben wollen“ durchaus überzeugend ausstrahlt, aber nicht immer hält, was man sich davon verspricht.

 

M.Lehmann-Pape 2012