Krüger 2018
Krüger 2018

Maike van der Boom – Stunden mehr Glück

 

Fundierte Einsichten in das „Glück der Nordländer“

 

„Skandinavier sind eher besorgt darum, dass sie zu viel arbeiten könnten als zu wenig. Da passt immer einer auf und schickt sie nach Hause“.

 

„Wir wollen, dass die Leute nach Hause gehen und ein Leben haben…….im Schnitt sollst du keine Überstunden machen. Wenn wir sehen, dass jemand immer Überstunden macht, würden wir fragen: Wie können wir helfen“.

 

Ein Denken und eine Haltung zur Arbeit, die Maike van der Boom in ihrer intensiv recherchierten Betrachtung der „glücklichen Skandinavier“ als roten Faden nutzt, um an vielfachen Beispielen und umfassenden Reflexionen jenem „Geheimnis“ auf die Spur zu kommen, dass seit Jahrzehnten in der internationalen „Glücksscala“ den skandinavischen Ländern regelmäßig vorderste Plätze einräumt.

 

Ohne dass und das scheint die wahre Kunst zu sein, die Effektivität der Arbeit darunter leiden zu lassen. Denn nicht nur vom „Glücksempfinden her“, sondern auch von der wirtschaftlichen Leistung aus betrachtet, stehen Schweden, Norwegen und Dänemark im internationalen Vergleich hervorragend da.

 

Weil, und das ist der Kern, um den sich auch im Buch alles drehen wird, die „Beziehungen“ untereinander davon geprägt sind, gemeinsam auf das „Glück“ (besser noch „Wohlergehen“) aller zu achten und langfristig zu denken. Was auch die Motivation, Energie und langfristige Durchhaltekraft am Arbeitsplatz angeht.

 

Und nur deswegen so gut funktioniert, weil das alles auf Gegenseitigkeit beruht. Kinder und Familie haben Vorrang, vieles an zeitlicher Freiheit wird gemeinsam möglich gemacht, dafür aber bieten die Skandinavier eben auch die Bereitschaft, ihre Aufgaben effektiv zu erledigen und eine strikte Trennung zwischen Arbeit und Privatleben nicht zu vollziehen.

 

Was keine Form der privaten „Ausbeutung“ (eben hintenherum dann eher) bedeutet, sondern in einem Verständnis des Lebens als Gesamtheit gründet.

 

Arbeit ist Teil des Lebens und soll zufrieden und motiviert erledigt werden, die anderen Teile des Lebens sind aber gleich bedeutsam und eine Balance allgemein als wichtig und notwendig anerkannt. Was am Ende zu einer hohen Effektivität bei der Erledigung von Projekten und Aufgaben führt (die van der Boom umfassend dahingehend aufschlüsselt, welche vielfachen Faktoren diese besondere Effektivität hervorrufen).

 

„Denn wenn es eines gibt, was der Wikinger nicht ausstehen kann, dann ist es Ineffizienz“. Denn es gibt einfach wichtigeres, als für den „Blick von außen“ sich 10 Stunden am Schreibtisch festzuklammern.

 

Was im Übrigen van der Boom als einen der zentralen Faktoren für diese „glücklichen Zustände“ nennt. Dass der wertende Blick der anderen, wer länger da ist, wer mehr Projekte macht etc. nicht eine solche ausschlaggebende Rolle für das Selbstverständnis der eigenen Leistung spielt, wie in anderen Ländern.

 

Gerade in dieser Hinsicht sind die vielfachen Beispiele von Menschen im Buch hoch interessant zu lesen, in denen Personen zu Wort kommen, die auch in Deutschland über längere Zeit gearbeitet haben und somit einen direkten Vergleich bieten.

 

Da mag nicht alles einfach so zu importieren sein, da mag es für die Arbeitswelt in Deutschland nicht einfach sein, eine solche Mentalität für sich selbst zu entwickeln und umzusetzen, aber das Buch ist zum einen darin sehr gelungen, einen umfassenden Blick auf die „Glücksfaktoren“ in Skandinaviens Arbeitswelt zu liefern und ebenso den Leser nachdenklich zurückzulassen, was die eigenen Ziele und  Motive der Verbindung zwischen Arbeit und Privatleben sein könnten. Und wie das ging.

 

 

Eine anregende, informative und nachgehende Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2018