Kiepenheuer&Witsch 2013
Kiepenheuer&Witsch 2013

Marcus Greil – The Doors

 

Musik - Geschichte

 

Auch Marcus Greil kann sich nicht ganz davon freimachen, im Blick auf die Doors sehr intensiv um Jim Morrison zu kreisen, dem im Buch zumindest der „Abspann“ alleine gehört.

 

Das mag zudem zu Recht der Fall sein, denn ohne Morrisson gab es zwar noch „Rest-Doors“, aber diese lebten zum einen von den gemeinsamen Tagen und den „alten Liedern“ und wurden kaum mehr wirklich in der Breite wahrgenommen in ihrem späteren Schaffen.

 

Wobei eine völlige Fokussierung auf den Sänger und Texter der Doors, der Marcus Greil zum Glück auch nicht erliegt, am Gesamtwerk der Band vorbeigehen würde.

Denn sowohl der prägende Sound von Manzareks Orgel als auch das komprimierte Spiel der Gitarre durch Krieger und die sehr prägnante Rhythmik von Densmors Schlagzeug entfalten erst im Zusammenspiel den unverwechselbaren Sound und die bis heute bedeutsame Gesamtumsetzung von „The End“ oder „Light my fire“.

 

Der „Kernphase“ der Band geht Marcus Greil umfassend und kenntnisreich nach, von der Mitte der 60er Jahre bis zum Ende der 60er Jahre. Und legt dabei seinen Schwerpunkt tatsächlich auf die Musik und das Gesamtkunstwerk der Band. Natürlich reichen hier und da auch persönliche Entwicklungen, Abstürze, Einfälle im Blick auf die Bandmitglieder herein, aber das Besondere an dieser Biographie ist das nachvollziehen von Musik, Komposition, auch der Entwicklung einzelner Stücke, die Greil detailliert zu beschreiben versteht und auf die Unterschiede in den Variationen (und damit dem persönlichen Ausdruck durch die Band jeweils) präzise verweist.

 

„Light my fire“ gibt es eben in „Kurzform“ und in der 21minütigen Fassung Ende der 60er Jahre und dazwischen in so manchen „Darreichungsformen“, denen sich Greil ebenso widmet, wie er andere Lieder, Platten, kreative Phasen der Band beleuchtet.

 

Wer sich von den  biographischen Daten und einer allzu intensiven „Innerlichkeit“ der Personen zu lösen vermag und sich tatsächlich vor allem der Musik der Doors nähern möchte, der ist mit dieser Band-Geschichte gut bedient. Das Umfeld, die Atmosphäre der Zeit, die innere Entwicklung der beteiligten Personen, dies aber kommt zu kurz und ist auch nicht klar nachzuvollziehen im Buch.

 

Um die Musik der Doors als “Gesamtpaket“ kennenzulernen und den Blick einmal an der vorherrschenden Gestalt Morrissons vorbei auf das Werk selbst zu lenken, das leistet das Buch durchaus.

 

M.Lehmann-Pape 2013