Nationa Geographic Society 2010
Nationa Geographic Society 2010

Markus Lanz – Grönland

 

Hochwertig bebildert und eindrücklich beschrieben

 

Der breiteren Öffentlichkeit ist Markus Lanz, Fernsehmann mit italienischen Wurzeln, vor allem als Moderator, u.a. als „Nachfolger“ von Johannes B. Kerner im ZDF, bekannt.

 

Dass der smarte Moderator von Haus aus Kommunikationswirt ist und zudem bereits mit der Biographie Horst Lichters ein erstes Buch erstellt und veröffentlicht hat, ist vielleicht nicht ganz so bekannt. Vollends aber der Kenntnis entzog sich bisher, welch hochwertiger Fotograf sich in ihm verbirgt, der nicht nur technisch einwandfreie Fotografien zu erstellen vermag, sondern vor den Blick für eine intensive und dichte Atmosphäre besitzt.

 

Dies ist nun in seinem neuesten Werk zu betrachten. Seine Reisen nach Grönland, quasi ans Ende der Welt, hat er nun, reich bebildert und mit einer Vielzahl lesenwerter Texte versehen, auf gut 300 Seiten vorgelegt. Wobei ihm das Kunststück gelungen ist, tatsächlich die Atmosphäre, die Geschichte, die Mythen Grönlands durch die Seiten und Bilder hindurch scheinen und mitschwingen zu lassen.

 

Gut gewählt für seinen Ansatz ist hierbei das Motto des Dramatikers Jean Giono, dass man sich in die Welt der vielen Teile zu versenken hat, um diese zu verstehen und in nüchtern wissenschaftlicher Art und Weise nie erfassen wird, was die Seele eines Landes ausmacht.

 

Diesem Ansatz des „sich Hineingebens“ folgen bereits die ersten, sehr unterschiedlich gewählten und doch jeweils einen bestimmten Blickwinkel, eine konkrete Atmosphäre festhaltenden Fotos. Sei es wie das Eisbärenpaar, mit konzentriertem, aber auch leicht ermattendem Gesichtsausdruck, fast eine Zustandsbeschreibung des urtümlichen Grönlands darstellt, sei es der intensive, farblich ganz anders als dem Westeuropäer gewohnte Sonnenuntergang über Eisbergen, sei es das ausdrucksstarke Porträt eines Inuit.

 

Mit solchen Bildern eingestimmt gelingt es Lanz bereits zu Beginn, den Leser bestens auf eine Reise in fast unbekannte Gefilde einzuladen. Den auch im weiteren Verlauf weiterhin großformatigen und hochwertigen Fotografien korrespondieren die Texte, in denen Lanz sich den Legenden, der Geschichte, den geographischen Besonderheiten und immer wieder vor allem den Menschen und der urtümlichen Lebensweise Grönlands annähert.

 

Nach einem allgemeinen Blick auf die Gesamtheit des Landes teilt sich das Buch in konkretere Betrachtungen Nord-, Ost und Westgrönlands auf, bevor der Band durch ein Interview mit Markus Lanz und einen Blick auf die direkte Nachbarschaft Grönlands, die Arktis, abgeschlossen wird.

 

Das tragende Element des Buches ist ganz gewiss das Bildmaterial, das in hervorragender Weise Eindrücke in die Landschaft, die Flora und Fauna, die Menschen, die Lebensweise gibt, immer wieder aber vor allem die ganz besondere Atmosphäre dieses Landes am Ende der Welt vermittelt. Lanz selbst formuliert, dass die Arktis im Wesentlichen ein Gefühl ist und Gefühle vermittelt, an jedem Ort andere Gefühle und dadurch eine hohe Faszination auf den Besucher ausübt. Eine Faszination, der Lanz spürbar verfallen ist und die gelungen sich dem Leser ebenfalls mitteilt.

 

Im textlichen Bereich ergänzt Lanz, spürt der Atmosphäre nach, lässt die alten Legenden und Mythen, die verwitterten Gesichter, die besonderen Landschaften und das ganz eigene Licht Grönlands lebendig werden.

 

Ein Bildband mit erheblichem Tiefgang, der eine ganz andere Seite des Fernsehmannes zeigt, vor allem aber das fremdartige Ende der Welt nahe und intensiv vor Augen führt. Ganz hervorragend.

 

M.Lehmann-Pape 2010