Piper 2013
Piper 2013

Martin Wiebel (Hg.) – Hannah Arendt

 

Erläuterndes Begleitbuch zum Film

 

Zum aktuellen Film von Margarethe von Trotta mit Barbara Sukowa in der Titelrolle legt Martin Wiebel als Herausgeber in diesem kleinen Band nun weitergehende Erläuterungen und Vertiefungen zur Person Hannah Arendts auf der Basis des Films vor.

 

Beileibe also keine reine Beschreibung zum Ablauf der Dreharbeiten oder eine Nacherzählung des Films findet der Leser zur Lektüre, sondern wohlsortierte und passend ausgesuchte Vertiefungen.

 

Von der grundlegenden Herangehensweise an Person und Film im Gespräch mit Margarethe von Trotta („Über die Königin des Neuanfangs im Angesicht der Abgründe“) über Texte von Arendt selbst (aus „Eichmann in Jerusalem“) bis hin zu einer reflektierenden Betrachtung Ernst Vollraths zu der wohl bekanntesten These Arendts, „vom radikal Bösen zur Banalität des Bösen“ finden sich im Buch. Immer abgewechselt von Betrachtungen zur Entwicklungsgeschichte des Films selbst (Vom Projekt zum Film u,a,).

 

Besonders hervorzuheben hier ist die intensive Schilderung der Sukowa, „wie Hannah Arendt im Film lebendig wurde“ mitsamt der („durchbeißenden“) Heidegger Lektüre im Vorfeld und einem sich in der Vorbereitung stetig sich füllenden Bücherregal. Und dennoch ist es die künstlerisch wichtige (und ehrliche) Aussage, die eben die letztlich nicht mögliche Beantwortbarkeit vor Augen führt: “Wie das.... was man eine „Figur“ nennt, entsteht, wird mir immer mysteriöser“.

Es ist eben vor allem die Vielzahl von auch kleinen Annäherungen, der mitschwingenden Erkenntnisse, mit der sich Sukowa die Figur der Hannah Arendt so überzeugend angeeignet hat. Ein in weiten Teilen nicht bewusster Prozess und spannend im Buch nachzulesen.

 

Auch wenn die „Eichmann-Frage“ und die Auseinandersetzung mit Judentum und Holocaust im Blick auf Arendts Werk naheliegt, ein wenig zu sehr ist doch diese Frage im Buch vertreten. Ein wenig vermisst man bei der Lektüre schon, was Martin Wiebel zu Anfang des Buches so hervorragend auf den Weg gebracht hat, die „Annäherung an Hannah Arendt“ in Person und Werk. Auch außerhalb der „Eichmann-Frage“ hatte Hannah Arendt Wichtiges zu sagen und ein interessantes Leben gelebt. Einblicke, die im Buch zwar mit vorliegen, aber doch ein wenig zurücktreten hinter dieses große Thema.

 

Folgerichtig schließt das Buch auch zum Thema „Eichmann nach Jerusalem“ (flüssig und fundiert von Bettina Stagneth verfasst). Diese doch erkennbare Konzentration auf das Eichmann Thema ist dann aber auch der einzige Wehrmutstrophen, den das ansonsten informative und den Inhalt des Films gut erweiternde und vertiefende Buch hinterlässt.

 

Durchaus empfehlenswert ist es, dieses Buch zum Film zu lesen, auch wenn für Arendt-Kundige inhaltlich nichts wirklich Neues vorliegt. Aber wer intensive Biographien sucht, wird an sich an anderen Orten besser fündig, Martin Wiebel konzentriert sich in bester Weise auf den Film als Ausgangspunkt der Zusammenstellung seiner Themen im Buch über die „Frau, die Denken ohne Geländer liebte“.

 

M.Lehmann-Pape 2013