Patmos 2012
Patmos 2012

Mechthild Schroeter-Rupieper – Niemals geht man so ganz

 

Innere Verbindungen über den Tod hinaus

 

„Die Mama ist weg“? fragen verwaiste Kinder oft und bang. Und die Antwort lautet: „Körperlich ja“. Mitsamt der schweren Aufgabe, Trauer und Schmerz tragen zu müssen. Aber die Antwort lautet auch: „Aber dennoch kann es Dinge geben 8in diesem Leben hier), die von Mama unsterblich sind“.

 

Das, was geprägt hat, was an enger Gemeinschaft, intensivem gemeinsamen Erleben, an unauslöschlicher Erinnerung nicht nur statisch (wie vergilbende Fotografien) im Leben erhalten bleibt, sondern was überaus lebendig in den Hinterbliebenen weiter lebt, was die Person, das Leben, die Sichtweisen über Zeiten hinweg mit beeinflusst und, eben, einfach „unsterblich ist“.

 

Ein berührender, ein schöner Ansatz, den Schroeter-Rupieper auch aus ihrer Arbeit in der Trauerbegleitung heraus in ihrem eigenen Leben vertieft hat und nun in diesem ebenso schön gestaltetem Buch diesem „was bleibt“ einen breiten Raum einräumt, viele Menschen in ihren Erinnerungen, in dem, was sie „im Leben“ weiterhin mit nahestehenden Verstorbenen „aktuell verbindet“.

 

Und heraus kommt, wie Schroeter-Rupieper es bezeichnet, einen „Geschichtenschatzkiste“. „Kinder, Jugendliche und Erwachsene erzählen ihre Erinnerungsgeschichten“. Kleine Geschichten, liebevoll illustriert und mit Fotos versehen, einfache Geschichten, die gerade ob der Einfachheit her durchaus berühren. Wie die von Sabine Kohmann, die tief beeindruckt ist von der Kraft des Gebetes ihrer Großmutter. Wie die des jungen Falk Arnswald, 11 Jahre alt, dessen Vater schon 2007 starb. Präsent bleiben die häufigen Klettertouren im Gedächtnis. So weit, dass dem jungen Falk klar ist, später mit seinen Kindern auf jeden Fall etwas ähnliches, gemeinsames regelmäßig zu unternehmen. Aber auch ganz prägend kann so eine Erinnerung sein, wie bei Tony Lorey, der sich auf einen Besuch bei „Rock am Ring“ mit seinem Vater freute, der allerdings kurz vorher verstarb. Und dennoch „im Geist“ mit dabei war und damit auf seine Weise eben auch mit dafür sorgte, dass der Sohn Musiker wurde.

 

Einfache, kleine Text, je eine konkrete Erinnerung, bei der die Trauer nicht verschwiegen wird, wohl aber eben auch jenes erzählt wird, dass bis in die Gegenwart hinein Präsenz des oder der Verstorbenen in sich trägt.

 

Das Buch bildet keine tiefen philosophische oder psychologische Betrachtung ab, unkommentiert reihen sich kleine und kleinste Erinnerungen aneinander. Durchaus aber ist eines zu spüren: Die Wertschätzung den Verstorbenen gegenüber und Erinnerungen, die man bei sich trägt und die lebendig sind und bleiben. Und davon ist es schön, zu lesen.

 

M.Lehmann-Pape 2012