Droemer 2011
Droemer 2011

Michael Feeney Callan – Robert Redford. Die Biographie

 

Pralles Lebensbild

 

Nur wenigen Filmstars ist gelungen, was Robert Redford an künstlerischer (filmischer) Lebensleistung erreicht hat. Nicht nur ein weltweit allseits beliebter Schauspieler zu werden, der zu seinen Zeiten über Jahrzehnte hinweg Garant für volle Kinosäle war, sondern auch in  seiner Rollenauswahl differenziert vorzugehen und zudem über das Schauspielern hinweg als Filmschaffender und Urheber des Sundance-Film-Festivals immer wieder neue, interessante Impulse zu setzen.

 

Michael Feeney Callan nun ist es im Lauf der letzten 15 Jahre gelungen, sehr nahe an Robert Redford zu gelangen. Vielfältige Interviews hat Redford dem Autor gegeben und ihm zudem Zugang zu einer ganzen Reihe persönlicher Aufzeichnungen gewährt. Gut 300 weitere Quellen hat Callan zudem noch interviewt, so dass ein umfassendes Lebensbild Redfords in den Raum getreten ist.

 

Eine Recherchearbeit, die man dem Buch durchgehend abspürt  und die Callan jeweils sprachlich versiert in die dargestellten Lebensetappen Redfords einfließen lässt. Von den Kinder und Jugendjahren Redfords in relativer Armut  in Los Angeles im Dunstkreis der großen Filmstudios und des Sunset Boulevards, über die  Anfänge der künstlerischen Ader in Redford (Studium der Malerei), bis hin zum Entschluss für die Schauspielerei reicht die Darstellung der Wurzeln Redfords zunächst im Buch. Selbstredend kommt die „große Zeit“ des Schauspielers Ende der 60er, in den Siebzigern und den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu Wort, bevor die zweite, große Leidenschaft Redfords auf den Plan tritt mit der Gründung der Sundance Group (und die Dritte als Regisseur seit 1979 Fuß fasst).

 

Neben den äußeren Stationen dieses prall gefüllten Künstlerlebens versäumt es Callan aber auch nicht, die inneren Entwicklungen Redfords nachzuzeichnen, vor allem die politischen Aktivitäten und die wachsenden, klaren Überzeugungen treten im Buch zu Tage. Dabei verlieren sich die gut 650 Seiten des Buches nicht in einer reinen „Heldenverehrung“. Redford kann durchaus zielstrebig, stur und äußerst egozentrisch seinen Weg gehen, wenn er etwas erreichen möchte. Nicht unbedingt sympathische Seiten, aber notwendige Momente, sich in seiner Kunst darzustellen und durchzusetzen. Momente, die Callan ebenfalls auffängt und einarbeitet.

 

Ein Buch, das den äußeren und inneren Werdegang Robert Redfords intensiv nachzeichnet, seine künstlerischen Wurzeln als Schauspieler, Regisseur und Festivaldirektor aufzeigt und zudem sehr unterhaltsam geschrieben ist. Ein eindrucksvolles Portrait, das Robert Redford sowohl von jener visionären Seite zeigt, bei der „aus der Mitte von allem ein Fluss entspringt“, als auch von der kernigen, auf sich selbst konzentrierten „Kraft eines Jeremiah Johnson“.

 

Eine imposante Persönlichkeit, die dem amerikanischen Traum, aber auch der klassischen, amerikanischen Persönlichkeit des Pioneers und ständig rastlos Voranschreitenden  entspricht und ein großes Stück filmischer Zeitgeschichte, an der Redford maßgeblich auf vielen Ebenen beteiligt war. Fundiert und umfassend dargestellt. Empfehlenswert.

 

M.Lehmann-Pape 2011