C.H.Beck 2012
C.H.Beck 2012

Michael Lüders – Der falsche Krieg

 

Eine differenzierte Betrachtung vermeintlicher Fakten

 

Seit Monaten bereits wird die Weltöffentlichkeit Zeuge des „Säbelrasselns“ gegen den Iran, vor allem zunehmend von Seiten Israels her. Aber auch andere Mächte drängen mit Macht gegen den vermeintlichen Plan des Iran, sich zur Atommacht aufzuschwingen. Scheinbar liegen, zumindest in Israel, die Pläne für einen Präventivschlag schon in den Schubladen bereit, ebenso scheint sich die Geduld ihrem Ende zu nähern.

 

Gegen den Strom eines breiten, politischen Konsenses, könnte man sage, macht sich Michael Lüders, Journalist und anerkannter Nahost Experte, nun auf, mit kritischen Anfragen und einer durchweg nachvollziehbaren Argumentation eine differenzierte Betrachtung der Lage in und um den Iran vorzulegen, die er von vorneherein mit seiner Verwunderung beginnen lässt, „dass dieser seit langem abzusehende Waffengang kaum auf Widerspruch stößt“.

 

Worauf Lüders zudem umgehend seine grundsätzliche These entwickelt und formuliert.

„In diesem Konflikt geht es nur vordergründig um das iranische Atomwaffenprogramm“.

Eine These, die er auf  den knapp 170 Seiten seines Buches umfassend unterfüttert und ausformuliert.

Allein aber schon seine nüchterne „Entzauberung“ der öffentlichen Ankündigungen, wie kurz und „schmerzlos“ ein solcher Krieg durchzuführen wäre, reicht durchaus schon aus, einen möglichen Krieg gegen den Iran äußerst kritisch zu betrachten.

Ähnliche Aussagen lagen ja auch für Afghanistan und den Irak vor, bekanntermaßen eben nicht mit den Folgen einer kurzen militärischen Intervention und einer schnellen Demokratisierung, sondern mit jahrelangen, oft destruktiven, Folgen für alle Seiten und ohne dass wirklich ein klares Ende schon abzusehen wäre (gerade, was Afghanistan angeht).

Der Iran aber würde sich noch auf ganz andere Weise in ganz anderer Massivität wehren, mit weltweitem und ungezügeltem Terror, den Lüders ebenso fundiert argumentiert prognostiziert, wie sein gesamtes Buch von seiner breiten Kenntnis der Lage im Nahen Osten kündet.

 

Grundlegend legt Lüders im Weiteren dar, dass es den Großmächten der Welt hintergründig vor allem (natürlich) um freie Zugänge und eine berechenbare Kontrolle von wertvollen Rohstoffen geht, dass schon vor Zeiten Irak und Iran in der amerikanischen Sprachreglung verbunden und gleichzeitig benannt wurden als „im Zaume zu halten“. Wirtschafts- und Machtinteressen sind es somit (wie fast immer), die im Hintergrund des Säbelrasselns stehen. Es ist durchaus noch gut erinnerlich, dass auch der zweite Irakkrieg in offenkundigen Lügen seine vordergründige Rechtfertigung fand. So liegt es durchaus nahe, die Behauptungen der feindlichen Haltung des Iran zumindest äußerst gründlich zu prüfen und nicht vornehmlich nur Gründe zu suchen und zu behaupten, die eine Intervention rechtfertigen würden. Bei aller Vorsicht natürlich auch, mit der das iranische Regime zu betrachten ist.

 

Sachkundig, hervorragend argumentiert, die (tatsächlich) zu erwartenden Folgen beim Namen nennend bildet das Buch von Michael Lüders eine fundierte und, vor allem, differenzierte Darstellung der tatsächlichen Lage, der möglichen wirklichen Motive und der Folgen einer militärischen Intervention im Iran mitsamt einem ernstzunehmenden Appell gerade an die deutsche Politik, nicht blindlings mit in eine solche Intervention hinein zu stolpern. Ein wichtiges Buch.

 

M.Lehmann-Pape 2012