Droemer 2013
Droemer 2013

Michael Tsokos – Die Klaviatur des Todes

 

Ein Einblick in die moderne Forensik

 

„... denn in diesem Buch geht es um Mord und Todschlag“.

 

Anknüpfend an die seit Jahren erfolgreichen medialen Darstellungen der Aufklärung von Gewaltverbrechen mittels der Kriminaltechnik, legt Michael Tsokos einen Einblick in seine „Arbeitswelt“ vor. Eine Arbeit, die auf dem neusten Stand der Technik am Tatort, auf dem Obduktionstisch und im Labor Spuren findet, Spuren deutet und Zusammenhänge herstellt, die im einzelnen hoch spannend sich nicht nur lesen, sondern auch sind.

 

Fundiert und mit hohem Fachwissen ausgestattet gelingt es Tsokos dabei zudem noch, sehr unterhaltsam zu schreiben.

Selbst sehr trockene Untersuchungswege stellt Tsokos im Zusammenhang mit den jeweiligen Fällen flüssig geschrieben und anregend zu lesen dar.

Wobei es reale Ereignisse, reale Todesfälle und reale Ermittlungen sind, die in den sechs thematischen Kernkapiteln des Buches (von der lebensgefährlichen Mutterliebe über ein „mörderisches Phantom“ bis hin zu Sexualdelikten) zu Grunde liegen und den Leser mit hinein nehmen in „eine Welt voll abscheulicher und roher Gewalt“.

 

Wobei der Tod fast immer „mit einer ganz besonderen Klaviatur“ ausgestattet ist, sich, wie Tsokos darlegt, aber grundlegend in drei Kategorien einteilen lässt: „natürlich, nicht natürlich und ungewiss“. Und das „Ungewisse“ ist eben jene Kategorie ist, in der Rechtsmediziner dann vorwiegend tätig werden.

 

So, wie bei jenem unbekannten Toten, jener Leiche, die quasi nur mehr als Torso vorhanden ist, verpackt in einem Koffer. Ein Rumpf mit vielen Tätowierungen. Erste Anhaltspunkte, ein Puzzle Schritt für Schritt zusammenzusetzen.

 

Gute Nerven braucht der Leser natürlich schon, wenn es an den Obduktionstisch geht, Tsokos verbrämt seine Arbeit nicht, wie unter einer hellen Leuchte beschreibt er alle Aspekte nicht nur dieses Falles. Aufgelockert aber im gesamten Buch durch die Einführung von Dialogen und Hintergründen, die in Teilen das Buch fast wie einen Roman oder Thriller wirken lassen.

 

Wobei im Übrigen nicht nur Leichen als Arbeitsgebiet vorgestellt werden. Auch der (durchaus noch lebendige) Mann, der einen Mordversuch mittels einer Schlinge überlebt haben will und mit einer wilden Geschichte nun Ermittlungen in Gang setzt, bei denen durchaus auch er selbst zum Objekt der Untersuchungen werden wird, gehört zum Spektrum der Tätigkeit des Rechtsmediziners.

 

Vielfache interessante Fälle, von obskur bis spannend, von offenkundig bis kniffelig stellt Tsokos lebendig dar und vermittelt so durch sein Buch einen fundierten und gut zu lesenden Eindruck vom aktuellen Stand der Forensik, vom „CSI der Realität“.

 

Eine kurzweilige, anregende und sachlich interessante Lektüre.

M.Lehmann-Pape 2013