Riemann 2014
Riemann 2014

Mikal Hem – Wie werde ich ein guter Diktator

 

Ein hintergründig ernstes Buch

 

Das mag zunächst wie sehr humorvoll wirken, diese lockere Sprache in Verbindung mit der Erweckung der Vorstellungskraft, wie denn der eigene Weg auf die Position eines Diktators so zu bewerkstelligen wäre (inklusive einer klaren Hilfe, zunächst überhaupt mal einen geeigneten Ort dafür sich zu suchen, wo einem nicht gleich die Kalaschnikows Kugeln um die Ohren jagen).

 

Schritt für Schritt, vom Putsch über das „Einheiraten“ (mit fast mehr Gefahren versehen noch, als der Putsch) bis zur (hoffentlich, oder?) dauerhaften Sicherung der „Macht“ geht Hem mit dem Leser locker formuliert die einzelnen „Karriereschritte“ samt „Stolpersteinen“ durch.

 

Es winkt viel!

Gottähnliche Verehrung (wie an treffenden Beispielen im Buch verdeutlich wird), enorme Reichtümer, Frauen ohne Ende (wie Hem aufweist, weibliche Diktatoren sind nun wirklich sehr, sehr selten, für diese 2-3 wären dann, je nach Gusto, „Männer ohne Ende“ zur Verfügung).

 

Dazu gehört aber auch ein Mindestmaß an Selbstüberhebung, das muss klar sein.

 

Wer nicht seine (teils absurd kruden) Gedanken in (lauten!) Reden unters Volk bringt, gar in Buchform (Bücher, die die Welt eher nicht braucht) veröffentlicht (Pflichtlektüre natürlich im eigenen Machtbereich), wer nicht das dringende Bedürfnis hat, goldene Statuen der eigenen Person auf zentralen Plätzen aufzustellen (koste es, was es wolle) und wer bei einer Hochzeitsfeier unter einer Million Dollar ausgibt, der sollte sich dringend überlegen, ob das ein Beruf für einen wäre.

 

Hinter all den phantasievollen Vorstellungen aber bietet Mikal Hem einen beinharten, ernsten Kern.

Denn er erzählt frei weg von so gut wie allen Diktatoren der letzten 50 Jahre. In ihren skurrilen Eigenarten, die eben nicht in eine dafür passende, geschlossene Einrichtung überführt wurden, sondern ihrem Wahn und ihrer Hybris einfach freien Lauf ließen. Ohne jeden Selbstzweifel und auf Kosten von Millionen von Leben (zusammengerechnet).

 

Wenn dann  noch „im Westen“ „heldenhafte Befreier“ gefeiert werden (wie jener, der in Ruanda den Völkermord bekämpfte), sich aber letztlich als genauso furchtbar herausstellen, wie andere zuvor, dann kann dem Leser schon mulmig werden.

 

Zudem bietet Hem in seiner unterhaltsamen Art intensive Einblicke z.B. in die Gedankenwelt in Nordkorea samt einer Aufarbeitung der Geschichte des Landes, die in den regulären Nachrichten so einfach keinen Platz finden, vieles an der kruden Haltung der Führung dort aber verständlich erläutern.

 

 

Wer bestens dargebotene Informationen über all das sucht, was eben nicht „Demokratie“ ist, was in Formen von Alleinherrschaft sich darstellt (auch wenn eine Gruppe an der Macht ist, über kurz oder lang wird schon einer „das Sagen“ übernehmen), der ist mit diesem Buch bestens bedient. Und erhält am Rande noch einen informativen Überblick über die konkrete jüngere  Diktatoren-Geschichte weltweit.

 

M.Lehmann-Pape 2014