Kösel 2010
Kösel 2010

Mira Czutka – Out of Office

 

Auf den Spuren des Franziskus

 

Mira Czutka hat es getan. Wie viele andere vor ihr und wie in den letzten Jahren so mancher Prominente auch durchaus öffentlichkeitswirksam. Sie hat es nicht nur einmal gemacht, sondern durchaus öfter und tut es noch. Pilgern.

 

Allerdings nicht, wie so viele, auf den breiten Pfaden des Jakobs Weges (den sie durchaus aber auch schon beschritten hat), sondern auf den auf den Spuren des Franz von Assisi in Italien.

 

Als beruflich stark eingespannte und engagierte Managerin  hat sie im Lauf der Zeit eine enge Affinität zu dem armen Franziskus entwickelt und nutzt diese Zeiten des Gehens, um sich auf die Kernfragen zu besinnen. Was der Mensch ist. Seine Erfolge? Seine Beziehungen? Seine Ängste? Was ist es, was unabhängig von den äußeren Wirkungen im Kern zu finden ist? Auf der Suche nach einem Dasein, dass nicht von Äußerlichkeiten und Haben bestimmt ist.

 

Schon dies ist ein bemerkenswerter Ansatz für eine erfolgreiche Managerin, ein Ansatz, zu dessen Nachspüren Mira Czutka den Leser mit auf eine Reise nimmt. Durchaus zu Recht, folgt man Ihren Ausführungen, in denen sie selber verdeutlicht, wie sehr sich dieses Pilgern von ihrem Alltag unterscheidet und welch wichtige Funktion diese Zeit der Besinnung in ihrem Leben mittlerweile einnimmt.

 

So legt sie auf den knapp 190 Seiten des handlichen Buches nicht nur einen geographischen Reisebericht vor, sondern versteht ihre Zeilen auch als einen „Reiseführer in innere Welten“. Diese „inneren Welten“ sind es nun auch, die den größten Teil des Textes ausmachen und ebenso sind es diese Eindrücke, die das Buch zu einem intensiven Gewinn machen.

Ein Gewinn, der tatsächlich an die Person des Franziskus untrennbar gekoppelt ist, denn viele Ihrer Einsichten, des Rückzugs in das Schweigen, die Erfahrung, dass Gott gesprächsbereit ist, ihre ruhigen Worte über den wahren Wert eines Menschen und die faszinierende, erkannte Eigenart Gottes, immer das naheliegende zu tun sind, wie auch ihre Gedanken über die Armut, originäre Einsichten des heiligen Franz, die Mira Czutka auf ihren Wegen im Rieti Tal tief verinnerlicht.

 

Äußere Stationen, auf der übersichtlich gestalteten Landkarte des Bucheinbandes einfach nach zu vollziehen, sind die Klöster St. Giacomo, La Foresta, Fonte Colombo und Greccio, Orte mit je speziellen Traditionen und Schwerpunkten, die wiederum rückwirken auf die eigene Suche und die eigene Besinnung. Sei es der „Rückzug in die Stille“ bei St. Giacomo oder die Auseinandersetzung mit Erschwernissen und Leid in Fonte Colombo.

 

Zu keiner Zeit wirken die Worte der Autorin altbacken oder gar peinlich frömmlerisch. Mit spürbarer innerer Sicherheit und Ruhe lässt Mira Czutka den Leser teilhaben an ihrem ganz persönlichen Weg durch die oberitalienische Landschaft, die den unzerstörbaren Geist des Franziskus von Assisi quasi in sich trägt und atmet.

 

Ein empfehlenswertes Buch gerade für die moderne Zeit mit ihren vielfachen Anforderungen und vermeintlich anzustrebenden Dingen und Positionen, dass einen ganz andere, inneren Weg nicht nur darstellt, sondern auch eröffnen kann.

 

M.Lehmann-Pape 2011