Nat. Geographic 2015
Nat. Geographic 2015

Norbert Rosing, Andrea Walter – Deutschlands Küsten und Inseln

 

Informativ und voll faszinierender Schönheit(en)

 

Das kann schon passieren. Das einer voller Vorfreude (der das Meer noch nie gesehen hat) an der norddeutschen Küsten  den Deich mit eiligen Schritten hinaufläuft, voller Erwartung und Vorfreude, und dann, oben auf dem Deich, tatsächlich „nichts“ sieht. Zumindest kein Wasser, sondern „nur“ das Watt.

 

Aber beim zweiten Hinsehen ist natürlich auch bei Ebbe eine Welt voller natürlicher Wunder vor Augen, wenn man genauer hinsieht in diesem  Biotop.

 

So, wie es Norbert Rosing als Fotograf und Andrea Walter als Texterin dem Betrachter und Leser dieses opulenten Bildbandes dem Leser ermöglichen.

 

Genau hinzusehen aus großer Distanz, wo man „von oben“ mit einem Blick auf das Foto die ganze Insel, das ganze Gebiet umfassen kann mit seinen, wie Adern wirkenden, Wasserläufen, den verschiedenen Farben, der Weite und dem Deich.

 

Oder aus der Nähe betrachten kann, wie selbst kleinste Muschen „ihren Teil“ an Sand aufhalten, kleinste Hügel hervorbringen und als „Filtrierer der See“ ihre Wirkung hinterlassen.

 

Da gibt es die „Adern des Lebens“ in „öde scheinender Natur“, Priele, in denen „das Leben tobt“, unsichtbar aber ab einer gewissen Distanz und da gibt es das tobende und tosende Meer, das sich weit aufschäumt als Gischt bei starkem Wind und Sturm.

 

Ruhige Sonnenuntergänge mit fast mediterran anmutender Stimmung und bleigraues Wasser und regnerischem Himmel, sattes Grün und weitreichende Sandwüsten, sich wiegendes Korn oder das pralle Violett der Sylter Besenheide.

 

Eine Vielfalt, die Rosing bestens abbildet, die er mit den Variationen der Panoramabilder und der Nahdistanzfotografien von allen Seiten her zeigt. In denen die Elemente, die Flora und die Fauna in ihren auch starken Unterschiedlichkeiten zwischen Festland und Inseln und den Inseln untereinander (von sanft geschwungen bis zu steil-felsig) bestens ins Bild gerückt wird.

 

„In einer Landschaft, die vor allem eins braucht: Geduld“. Und die dafür vieles dem Betrachter wieder gibt. Ruhe, wunderbare Eindrücke, berauschende Ausblicke, friedvolle Momente ebenso, wie Aufruhr und eine deutliche Ahnung von der Kraft des Meeres.

 

Eine Kraft des Meeres, die auf Helgoland besonders offenkundig wird, jene Insel, von der der Leuchtturmwärter sagt, „man fühle sich wie auf einem gestrandeten Schiff“.

 

Bei Weitem aber nicht nur die „großen“ Namen sind es, die in diesem Buch fotografisch Ausdruck finden, es ist die Gesamtheit zwischen den Landschaften und ihren Eigentümlichkeiten, die dieses Buch zu einem wunderbaren „Augen-Erlebnis“ gestalten.

 

Das eine Hallig nicht nur „Land unter“ erleben kann, sondern auch „allein im Eis“ sich weiderfindet, das sind u.a. solche Erlebnisse, die dem Leser die Kraft der Natur eindrucksvoll vor Augen führen. Eine überaus lohnenswerte Lektüre.

 

 

M.Lehmann-Pape 2015