National Geographic 2011
National Geographic 2011

Norbert Rosing – Wildes Bayern

 

Indian Summer gibt es auch in Bayern

 

Eine ganze Fülle prächtigen Bildmaterials verarbeitet Norbert Rosing in seinem Bildband über die intensive, wilde Landschaft Bayerns. Vom kargen Fels im Winter über tiefblaue Seen im hellsten Sonnenlicht bis hin zum, Kanada und Nordamerika durchaus Konkurrenz gestaltendem, Farbspiel der Mischwälder im Herbst (dem „Indian Summer“) bietet Rosing auf knapp 160 Seiten ein vielfältiges, farbenfrohes und von Menschen unberührt wirkendes Fotomaterial auf, um einen treffenden und breiten Eindruck der bayerischen Landschaftsschönheit zu vermitteln.

 

Von „kleinen Bildern“ einzelner Pflanzen und Blumen bis zu großartigen Panoramen der majestätischen Berglandschaft und der großen Wälder (durchaus echter Urwald ist in Bayern tatsächlich noch mitten in Europa zu finden) reicht dabei der Blickwinkel seiner Betrachtungen.

 

Ergänzt werden die vielfältigen Fotografien durch kurze Hinweise, knappe Texte oder Bildunterschriften, die das reine Betrachten in keiner Weise stören und den Blick nur geringfügig lenken.

 

Der Eindruck vom Rachelsee versetzt den Leser fast zurück in längst vergangene Zeiten, in denen Menschen bei weitem noch nicht regierend in die Landschaftsgestaltung eingegriffen haben. Die bis zu  Horizont reichende Mischwaldlandschaft am großen Falkenstein zeigt auf, dass in Flora und Fauna tiefe Eindrücke in diesem deutschen Bundesland inmitten einer hochindustriellen und durchzivilisierten europäischen Welt bereit liegen, die jederzeit gefunden und genossen werden können.

 

Bilder von natur belassenen Flussverläufen wie dem der Naab führen eindringlich vor Augen, in welch umfassender Weise Menschen in den natürlichen Lauf der Dinge an vielen andren Orten bereits eingegriffen haben. Nicht immer zum Vorteil für Mensch und Natur übrigens, wie sich oft späterhin leidvoll herausstellte.

 

Breit bekannte Landschaften wie die Zugspitzregion, das Berchtesgardener Land mit dem Königssee oder der Allgäu werden durch die hochwertigen und teils mit ungewohnten Blickwinkeln gestalteten Fotos neu entdeckt, verschwiegene und eher touristisch noch unbekannte Ecken Bayerns einer sachten Würdigung zugeführt.

 

Ein Buch, das den Leser bereits während der Betrachtung den tief verwurzelten Stolz auf ihr Land und die Heimatnähe der Bayern verstehen lässt. Der durch die Wildheit vieler Landschaften auch einen Einblick in die Prägung der Menschen zu vermitteln vermag, die im Blick auf Regeln und Gesetzte allgemein als leger und  gewitzt bekannt sind.

 

„Was die Indianer für die USA sind wir Bayern für Deutschland“ (Marianne Sägebrecht). Ein Satz, dem man nach Betrachtung des Buches zumindest landschaftlich ohne weiteres zustimmen kann. Hervorragende Fotografien, sinnvoll einander zugeordnet, das Kleine ebenso wie das große Panorama würdigend erlaubt das Buch einen breiten und intensiven Blick auf diese einzigartige landschaftliche Schönheit.

 

M.Lehmann-Pape