C.Bertelsmann 2011
C.Bertelsmann 2011

Olivier Bellamy – Martha Argerich

 

Erste, autorisierte Biographie über die Pianistin

 

Ein „Kraftwerk der Gefühle“. Der „argentinische Wirbelsturm“. Die „Löwin am Klavier“.

Alle diese Beinamen für Martha Argerich, argentinische Pianistin von Weltruf, drücken eines vor allem auf. Dass die Künstlerin den Tasten die großen Leidenschaften entlockt, dass sie mit Leib und Seele in der Musik und der Darbietung, nicht nur technisch, sondern auch emotional aufgeht.

 

Eine Lebenskraft und Lebenshaltung, die Oliver Bellamy durchaus in seiner Biographie zu transportieren versteht. Vor allem, in dem er, autorisiert durch die Pianistin, Einblick gibt in das „Dahinter“ der Auftritte und Studioarbeit. In die Akribie, die Lust am Spiel, aber auch die Selbstzweifel und das Lampenfieber Martha Argerichs, die für jene innere Spannung und Reibung sorgen, die bei den Auftritten dann deutlich spürbar im Raume steht.

 

Eine Umsetzung der Musik, für die Martha Argerich von klein auf an vorbereitet worden ist. Talentiert, im brodelnden Buenos Aires aufgewachsen, schon früh in der Klavierausbildung befangen. Detailliert folgt Bellamy den Spuren des Kindes und der heranwachsenden Ausnahmeerscheinung und verschweigt dabei nicht die, von Argerich selbst ebenso benannten, Schattenseiten eines solch ganz besondern Lebensweges. Dass die praktischen Seiten des Lebens, auch der soziale Umgang, wenig eingeübt und wenig erfahren wurde. Ein Mangel, der sich vor allem im intimen Privatleben der Künstlerin schwierig zeigte. Neben den künstlerischen Erfolgen und der Anerkennung des Publikums stehen hier dann eben auch eine Reihe persönlich schmerzlicher Niederlagen, die Bellamy anführt. Nicht boulevardesk, sondern immer im Blick auf die Gesamtzeichnung der Person anführt.

 

Chronologisch und geographisch geht Bellamy dabei vor. Beginnt im Kindergarten in Buenos Aires, zeigt den Einfluss Friedrich Guldas auf, der schon früh in der Karriere der Argerich mit ihr in Wien gemeinsam arbeitete, beschreibt die ersten Schritte in Europa mitsamt der ersten Plattenaufnahme (übrigens in Deutschland hergestellt) und folgt so dem erfolgreichen Weg der Pianistin durch die Welt. Ein Weg, den Bellamy ebenso bereits äußerlich kenntlich macht, indem er die Kapitel mit meist Städtenamen und einigen Ländernamen überschreibt, somit die Biographie der Martha Argerich nicht nur chronologisch, sondern auch geographisch in ihrem Inneren festzurrt. Stationen, die auch die Krebserkrankung der Künstlerin nicht auslassen und diese unprätentiös und eher sachlich in diesen Lebenslauf mit einreiht.

 

So entsteht auf 270 Seiten ein äußeres und inneres Bild einer bewegenden Künstlerin, die Zeit ihrs Lebens es verstanden hat, Kind zu bleiben und damit auf einer Entdeckungsreise des Lebens zu bleiben. Eine Entdeckungsreise voller Emotionen, Selbstzweifel, Lampenfieber, persönlichen Niederlagen und neuen Angängen, welches immer und überall Musik begreift als eine universale Sprache der Emotionen, in denen die Person ganz aufgehen kann und muss, wenn es ernsthaft betrieben werden soll.

 

Ein kleiner Bildteil in der Mitte des Buches sowie ein Überblick über die Diskografie und das Leben der Künstlerin ergänzen den Textteil.

 

Wer sich mit dem Leben der Pianistin beschäftigt, aber auch, wer die leidenschaftliche Kraft der Musik zu entdecken gedenkt oder von dieser fasziniert ist, ist mit dieser Biographie bestens bedient.

 

M.Lehmann-Pape 2011

Olivier Bellamy

 

wurde 1961 in Marseille geboren. Er ist Korrespondent für Classica, vormals Le Monde de la Musique und Redakteur bei Le Parisien. Er moderiert eine tägliche Radiosendung auf Radio Classique, in der bekannte Persönlichkeiten über ihre Liebe zur Musik sprechen.

 

(Quelle: C.Bertelsmann Verlag)