Goldmann 2012
Goldmann 2012

Peter Schnieders – Im Spiegel des Bösen

 

Wie die Mordkommission wirklich arbeitet

 

Manches Mal sind es reine Zufälle, die zur Aufklärung eines Falles führen. Manches Mal akribische, von außen betrachtet her langwierige und „trockene“, Fleißarbeit. Manches Mal, und das gar nicht so selten, gelingt eine Aufklärung gar nicht.

 

Peter Schnieders, ehemaliger Chef des Kriminalkommissariats K11 (Mordkommission) in Köln, legt in diesem Buch einige Fälle aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz nun gut lesbar vor, die dem Leser einen Einblick in die Realitäten der Arbeit geben, Eine Realität, die bei Weitem anders in der Regel stattfindet, als in den einschlägigen Serien im Fernsehen oft verdichtet gezeigt wird.

 

Neben den Fakten, die Schnieders einzubringen hat, besticht das Buch in den einzelnen Kapiteln aber auch, und dies ist sicherlich in hohem Maße dem Co-Autor Fred Sellin geschuldet, durch eine hervorragende Lesbarkeit und eine intensive Möglichkeit, sich in die Handlungen und Personen innerlich einzufühlen. So, wie im Kapitel „Die Frau“ minutiös die innere Befindlichkeit einer „in sich weggleitenden“ Frau, die, mit zwei Küchenmessern bewaffnet, sich auf den Weg macht. Eine Frau, die bei behandelnden Ärzten als „unberechenbar“ galt und die sich späterhin auf Oskar Lafontaine stürzen wird. Mit einem der Messer.

 

Biographische Hintergründe, im Ablauf erzählt fast wie ein Thriller, die polizeiliche Arbeit hier von der Seite her geschildert, die Zusammenhänge im Nachhinein aufdeckt, das ist durchaus anregend und spannend zu lesen. Wie bei so vielen anderen Fällen, wie es die Grundlage der ermittelnden Arbeit ausmacht fast generell ausmacht, Puzzlestein um Puzzlestein wird zusammengetragen, bis sich ein gesamtes Bild ergibt.

 

Wozu auch Zufälle gehören wie bei dem Mord an einem jungen Mädchen, der letztlich nur durch die Information eines V-Mannes aufgeklärt werden konnte. Aber auch das kommt vor im Buch, dass die Polizei den Täter kennt, durchaus ahnt, wie er vorgegangen ist und dass er schuldig ist, aber letztlich keine wirklich handfesten Beweise vorweisen kann und damit nicht handlungsfähig ist. Dies sind erkennbar und verständlicherweise bittere Momente für Peter Schnieders.

 

Neben eben auch andern, wie die Jagd auf das „Sex-Phantom“, die Schnieders durchaus packend aus Sicht des Täters und, im zweiten Teil, aus seiner eigenen Perspektive her schildert und in vielen Details nachvollzieht.

 

Sachlich fundiert, flüssig und nachvollziehbar geschrieben bietet das Buch einen realistischen und interessanten Einblick hinter die Kulissen echter Polizeiarbeit mit ihren vielfachen Verästelungen, Täterprofilen, Motiven und Tatvollzügen. Wobei gerade die intensive Darstellung der Hintergründe der Taten und der inneren Befindlichkeit der Täter den Leer mit in den Bann ziehen.

 

M.Lehmann-Pape 2012