DVA 2014
DVA 2014

Rüdiger Frank – Nordkorea

 

Hintergründe über einen „merkwürdigen“ Staat

 

Ist Nordkorea so etwas wie ein Operettenstaat, nur „in Ernst“? Eine Form der alten DDR, nur in „noch ärmer“. Säbelrasselnd oder eine echte, atomare Gefahr für die Welt?

 

Dicht abgeschottet wird das Land, wenig verlässliche Informationen, wenig Bildmaterial, wenig unabhängige Nachrichten dringen nach draußen. Seit der Schließung der gemeinsamen Industriezone mit dem (westlich orientierten) Nachbarn Südkorea scheinen alle verlässlichen (Informations-) Verbindungen gekappt zu sein.

 

Seit Jahrzehnten wird Nordkorea wie in einer Monarchie durch die Familie Kim regiert, seit Gründung des Staates greifen die Kims eisern durch, auch gegeneinander, um die Verhältnisse zu zementieren.

 

Rüdiger Frank bietet in seinem Werk nun eine sehr sachliche und spürbar fundierte Sicht auf  diesen abgeschotteten Staates und führt so den Leser (so gut es geht, manches Mal auch auf der Basis nicht unbedingt fest gesicherten Informationen) über die tagesaktuellen Nachrichten hinaus in die grundlegende Verfassung Nordkoreas hinein.

Wobei echte, gar konspirative Informationen durch Bürger des Landes, durch politische Kräfte, einfach nicht der Verfassung dieses Staates entsprechen und daher auch Frank nicht wirklich vorliegen.

 

Neben den Nachrichten aber über irgendeine merkwürdig anmutende Aktion der Führung des Landes oder Waffentests mit drohenden Atomwaffen findet sich eine (unendlich arme), teils verängstigte, teils fest zu den Strukturen stehende Gesellschaft im Land, die in ganz besonderer Form geographisch lebt mit besonderem Augenmerk gerade auf die Beziehung zum „Schwesterland“ Südkorea.

 

Nach einem fundierten Einblick in die Tradition und den Ursprung Nordkoreas geht Frank sodann umgehend in medias res und zeigt auf, „was das Land im Innersten zusammenhält“.

 

In seiner fast völligen Isolierung vom Rest der Welt, die natürlich (und vor allem) auch die Informationen über diese Welt angeht, die Nordkoreanern zur Verfügung stehen (so gut wie keine). Eine Isolation, ein massiv unterdrückter Pluralismus, dessen Wurzeln überzeugend durch Frank in der persönlichen Situation des Kim Il-sung verortet, dessen „Politik der harten Hand“ gegen jeden Anhauch von Opposition auch unter seinem Nachfolger bis heute das Land prägt. Eine profunde Erklärung auch dafür, warum bis heute keine Reformgruppen vorhanden sind.

 

Es ist diese Ideologie, die Frank „ohne zu zögern“ als Grundlage der Existenz Nordkoreas trotz Hungersnot, Tot des Staatsgründer und Kollaps all der anderen sozialistischen Systeme benennt. Und dies sehr gründlich und umfassend im Buch dann weiterhin ausführt und erläutert, bis in den Alltag der Menschen dort hinein. Eine ideologische Verankerung, die weit über Massenkundgebungen, antiquiert wirkende Standbilder des „großen Führers“ oder Militärparaden hinaus geht.

 

Denn „nur der Führer kann entscheiden, was allgemein und im nordkoreanischen Kontext „gut“ und „richtig“ ist“.“.

 

„Ohne Kopf kann die Gesellschaft nicht überleben“, ein Glaubenssatz, der im nordkoreanischen Volk fest verankert ist (und weiter durch die Führung verankert wird).

 

Nüchtern und sachlich im Ton arbeitet Frank alle relevanten Themenbereiche zur nähren Beschreibung des aktuellen Status Quo in Nordkorea ab Wirtschaft, Reformen, Sonderwirtschaftszonen, Kim Jong-un) , erläutert die Entwicklung, die zu diesem geführt hat und wagt ebenso einen Ausblick auf die mittelfristige Zukunft in der Region in der Frage einer möglichen Wiedervereinigung mit Südkorea.

 

 

Eine hoch interessante Lektüre, die vieles an Wissen und Hintergrund über das Nordkorea der Gegenwart bietet.

 

M.Lehmann-Pape 2014