btb 2014
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Robert Hültner – Tödliches Bayern

 

Verbrechen im Lauf der Jahrhunderte

 

Von 1807 bis zum Jahre 2004 reichen die ausgewählten Kriminalfälle aus Bayern (teils aus dem „tiefsten Bayern“, die Robert Hültner für diese Zusammenstellung gesichtet, recherchiert und literarisch bearbeitet hat.

 

Beileibe nicht nur die nackten Fakten nach „Aktenlage“ sind es, die Hültner dabei in der „reinen“ Form vorlegt, um einen Einblick in tödliche Verbrechen zu geben. Eher Erzählungen stehen als Endprodukt nun vor den Augen der Leser, die in sich ebenfalls durch einen „roten Faden“ miteinander verbunden sind.

 

„Jede politische, wirtschaftliche und kulturelle Umwälzung bewirkt soziale Konflikte und Belastungen, auf die Betroffene mit zuweilen fataler Konsequenz reagieren“.

In diesem Sinne stellt Hültner seine Geschichten zusammen, berichtet von Verbrechen in unruhigen Zeiten des Nachkrieges, von wirtschaftlicher Drangsal, von moderner Vereinzelung.

 

Sei es die Fehlverurteilung eines zwar robusten, aber doch eher fleißigen denn gemeingefährlichen Bauern, der sich verstrickt und verheddert und, vielleicht, einem perfiden Plan anderer zum Bauernopfer fällt, sei es das scheue Kind, der nur am Rande dann wahrgenommene junge Mann, der sich auf seine Weise versucht, Geltung zu schaffen. Vor dem Vater, dem Dorf, der Welt, seien die akribisch ausgesuchten anderen Fälle des Buches, in denen Hültner immer wieder auch die Atmosphäre des Ortes und der Zeit mit einfängt.

 

Manchmal etwas zu langatmig, durchweg aber auf der Basis sehr interessanter Einzelfälle.

 

Erzählerisch greift Hülter dabei, zum Wohle einer flüssigen Lektüre, teils auch stark ein. Erläutert innere Vorgänge, denkt sich in die Täter hinein, hat, wie er selbst sagt, die Handlungen mit erdachten Szenarien und fiktivem Personal ergänzt, um eben vor allem das Typische auch des Umfeldes, die soziale Kontrolle, das Hetzen der Leute, das Übersehen von Menschen, die Ermittlungsmethoden als solche plastisch darstellen zu können.

 

Herausgekommen sind acht treffende Verbrechensschilderungen, die in nüchternem Ton von Vorurteilen und Vorverurteilungen, geflohenen Anwälten, allgemeiner Hartherzigkeit oder auch nur von menschlicher Verzweiflung erzählen. In der Bandbreite der Täter vom gelehrten Priester über ehrgeizige Mägde bis zu einsamen Herzen.

 

 

Gut zu lesen, flüssig im Stil, hier und da ein wenig zu lang (die „Ermittlungen der „Profiler“), insgesamt aber eine interessante Lektüre, die gerade durch ihre Realitätsnähe im Erzählstil und der fundiert recherchierten Fakten besticht.

 

M.Lehmann-Pape 2014