DVA 2014
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Sarah Kirsch – Juninovember

 

Erinnerungsmomente aus eigener Hand

 

Im letzten Jahr ist Sarah Kirsch gestorben und nun erscheint, aus dem Nachlass der Lyrikerin, dieser Band mit kurzen, oft wie hingeworfen wirkenden Notizen, kleinen Tagebucheintragungen, die eher konkrete Assoziationen benennen, denn umfassend von Tagen oder wichtigen Momenten berichten.

 

Auch wenn die ein oder andere Eintragung ein wenig mehr Länge vorweist, sind die Gedanken doch eher kurz.

 

„Es ist wohl der letzte Tag, an dem ich wie Ein Kakadu auf der Veranda Sitze mich erinnern Wärmen kann“.

 

Oder:

 

„Das Christkind backt – nun wird es aber Zeit, der Himmelsbackofen glüht. Keen Schnee in Tee so weit ich seh …. Habe noch allerletzte Weihnachtskarte verfasst….. Wir müssen die Mülltonnen herausstellen. Wegen der Feiertage wird einen Tag eher abgeholt“.

 

Wie bei Kirch gewohnt (eines ihrer an sich wichtigen Themen), lassen sich auch kurze, prägnante Naturbeobachtungen lesen, alles so, wie „ihr der Schnabel gewachsen ist“. Mit ein wenig sprachlicher Verballhornung, Umgangssprache, aber auch kleine Poesien:

 

„Abends hat der geschwärzte Himmel Einen Fuchspelzsaum“.

 

Zudem erfährt der Leser, dass Sarah Kirsch dem Fernseher sehr zugewandt war, online hier und da Bücher bestellt hat und, häufig, wie denn genau das Wetter an bestimmten Tagen so war.

 

Das ist über lange Strecken nicht sonderlich interessant oder unterhaltsam, auch wenn sich genau jene kurzen Gedankengänge einprägen und das Lesen lohnen, die allgemein Menschliches, genau Beobachtetes an und in der Natur oder hier und da auch eine Bewertung zur „allgemeinen Lage“ oder zu prominenten Menschen in sich tragen.

 

Melancholie ist herauszuhören an so manchen Stellen, eine Nähe zur „dunklen, trüben“ Jahreszeit.

 

 

Alles in allem eher ein kleiner Band für Kirsch-Verehrer, die sich in den oft hingeworfenen Notizen und kleinen auch Boshaftigkeiten ein Bild des Alltages der Autorin machen möchten, in dem nicht unbedingt viel an Äußerem geschieht.

 

M.Lehmann-Pape 2014