Südwest 2014
Südwest 2014

Scott Jurek – Eat and Run

 

Persönlicher Entwicklungsbericht

 

Spätestens seit „Mein langer Lauf zu mir selbst“ von Joschka Fischer ist dieses Form des „Erlebnisberichtes“ einer sportlichen Entwicklung zum „Lang-Läufer“ samt innerer Motivation und innerem Zugang nicht unbedingt neu.

 

Auf der anderen Seite liest sich dieses Buch zum einen sehr flüssig und daher unterhaltsam, zum anderen geht Jurek in seiner Darstellung unterschwellig doch gewisse andere Wege, soweit er den Leser in den Blick nimmt. Zwei Momente, die das Buch bereits lesenswert machen. Denn letztendlich geht es nicht nur um eine reine Selbstdarstellung der eigenen Biographie (auch wenn diese breiten Raum einnimmt) und nicht darum, den jeweiligen Leser mit Laufschuhen zu bewaffnen und auf den nächsten Ultramarathon zu schicken.

 

Sondern um  den Kernsatz Jureks und dieses Buches „Sei jemand“. Auch gegen missliche Umstände und wenig ermutigende Mitmenschen.

 

Selbstverständlich steht vordergründig dabei der Sport im  Blickpunkt (von dem Jurek, trotz aller Qualen, durchaus motivierend zu erzählen weiß“. Im Tieferen aber verweist Jurek darauf, dass sich jeder, gerade in Momenten, in denen scheinbar „nichts mehr geht“, „von innen heraus neu erfinden kann“.

 

„Ich will keine durchsichtige Parabeln über Inspiration und Glauben spinnen …….nein, ich will Ihnen ganz konkret zeigen, wie ich mich von innen heraus neu erfand“.

 

„Alle, die schon einmal das Gefühl hatten, nichts ginge mehr; alle, die schon einmal davon geträumt haben, mehr zu erreichen …….kennen diese Geschichte“.

 

Und das stimmt. Dass Jurek dies auf „veganem Wege“ erreichte (was aktuell dem Zeitgeist sehr entgegenkommt), ist in all dem schon auch ein zentreales Moment des Erfolges und ein zentrales Anliegen dieses Buches.

Ein wichtiger Schritt (neben dem persönlichen Willen) auf dem persönlichen Weg Jureks. Denn das Lösen aus diesem Aufwachsen mit Fleisch, Fleisch und nochmal Fleisch und vielem anderen, was den Körper dick und den Geist träge machen kann, war ja der Ausgangspunkt seiner „Wandlung“.

 

„Ich war ein schüchternes Kind mit hohem Blutdruck“.

 

Und erst der allmähliche, sehr bewusste Umstieg der Nahrung und das ebenso bewusste „sich selbst kennenlernen“ brachte das eigentliche Talent Jureks zum tragen: „Nach hinten hin“ in einem Lauf stärker werden zu können und nicht schwächer.

 

Ein klares Ziel zu spüren, sich dafür den Gegebenheiten und Notwendigkeiten anzupassen, auch wenn es zunächst nicht angenehme Begleiterscheinungen mit sich bringt (den Verzicht auf die geliebte Campbell Hühnersuppe) und, vor allem, dranbleiben, das sind die Essenzen dieses biographischen Berichtes über den eigenen Weg als Sportler.

 

Ergänzt durch eine Vielzahl von verganen Rezepten, die in ihrer Wirkung für den Sportler erläutert werden und zeigen, welche körperlichen Einschränkungen Jurek durch seine immer ausgefeiltere Ernährung nachhaltig in den Griff bekam.

 

Sicher erlahmt das Tempo des Buches hier und da, erzählt viel von der Kindheit, wird aber immer da spannend, wo Jurek über seinen „Körper im Sport“ intensiv zu berichten versteht und die Hintergründe reflektiert.

 

 

Ein gut zu lesendes Buch über die Entfaltung persönlichen Potentials, das viele Anregungen hinterlässt.

 

M.Lehmann-Pape 2014