Ullstein 2012
Ullstein 2012

Simon Garfield – Just my Type

 

Schriftensprache

 

Apple hatte es vor Zeiten eingeführt und damit für Furore gesorgt. „Fonts“, Schrifttypen waren in die Programme der frühen Apple-Computer implementiert, mit denen entsprechend der gewählten Dokumente und der „Persönlichkeit“ des Nutzers das Erscheinungsbild der jeweiligen Briefe und Texte variabel gestaltet werden konnten.

 

Und nicht erst seitdem, wohl aber in unermesslichen Varianten seitdem, begleiten Schrifttypen das öffentliche und private Leben. Jedes Druckwerk zeigt sich in „Fonts“, neben den weit verbreiteten „Helvetica“ und „Times Roman“ in mannigfaltigen Formen. Fonts, Schrifttypen, die ganze Abteilungen in Werbeagenturen und Wahlkampf Komites intensiv beschäftigen. Wie drücke ich die entsprechende Botschaft in genau welchem Font am besten aus? Eine durchaus wesentliche Leitfrage heutigen „Druckens“ und Gestaltens.

 

Gestaltungsweisen, die in der Geschichte oft einen hohen Aufwand mit sich brachten und nur privilegierten Menschen vorbehalten war, eröffnet sich nun durch simple Schreibprogramme auf modernen Rechnern jedermann und jederfrau. Von klassisch bis ausgefallen, von Symbolen bis Comic-Zeichen, von „handschriftlich“ bis „mathematisch“, jeder, der einen Text erstellt, kann „aus dem Vollen schöpfen“.

 

Simon Garfield wendet sich in seinem, durch viele unterhaltsame Geschichten und Beispiele aufgelockertem, Buch diesen „Schrifttypen“ in Auszügen zu. Ob einen eine Schrift beliebt macht („Futura“ vs. „Verdana“) nimmt er dabei genauso in den Blick, wie die Frage, warum gerade eine Schweizer “Type“ einen Standard darstellt (Helvetica), sprich, wie es kommt, dass gerade die Schweizer eine „serifenlose! Schrift entwickelten.

Bezüge zur Mentalität der Schweiz sind hier durchaus von tragender Bedeutung. Wobei es durchaus auch möglich ist, eine innere Haltung der Rebellion durch seine Fonts auszudrücken, „mit Interrobang die Regeln brechen“.

 

„Schriftwahl ist eine Frage des persönlichen Geschmacks….. Eigenschaften der Schrift und ihre Charakteristika vermitteln den Lesern eine Bedeutung jenseits der Syntax“. Dies ist das Thema des Buches und dem geht Garfield intensiv und durchaus flüssig zu lesen nach. Auch wenn der Stoff seiner Natur gemäß eher ein wenig trocken daherkommt, wenn Einzelheiten von Fonts sehr genau erläutert werden. Da es aber durchaus bereits vorkam, dass eine Angestellte ihren Job verlor aufgrund der typographisch „falschen“ Wahl für eine Geschäftsemail, ist es durchaus ein Thema auch von alltäglichem Belang, welches Garfield hier bearbeitet.

Denn:“ Regeln für Schriften hat es immer gegeben und auch eine Schriftetikette“.

Bis dahin, dass Schriften sogar „ein Geschlecht“ besitzen (z.B. „Architectura“ für Männer und „Centaur“ für Frauen).

 

So wird der Leser in großer Breite durch Form und Vielfalt, Bedeutung und Ausdruck moderner Fonts geführt, erhält einen komprimierten Einblick in die Geschichte der Schrifttypen und vielfache Beispiele für deren Aussehen und Einsatzmöglichkeiten.

 

Alles in allem eine ganz interessante Lektüre zur vielfachen Nutzung und Entwicklung von Fonts, bei der aber nicht jedes Kapitel und jeder Satz gelesen werden muss. Fachleute kennen sich schon vor der Lektüre aus und  allgemein interessierte Leser benötigen nicht jede Information des Buches. Durchaus aber eine empfehlenswerte Lektüre, um einen Überblick über Bedeutung, Anwendungsmöglichkeiten  und Geschichte der Schrifttypen moderner Prägung zu erhalten.

 

M. Lehmann-Pape 2012