C.H.Beck 2017
C.H.Beck 2017

Souad Mekhennet – Nur wenn Du alleine kommst

 

Innenblick des Terrors

 

Souad Mekhennet ist bestens vernetzt. Das gilt sicherlich für jeden seriösen Journalisten, doch bei ihr reicht diese Vernetzung in eine Welt hinein, die dem „Normalsterblichen Westler“ mitsamt polizeilicher und politischer Kräfte weitgehend verschlossen ist.

 

In den „Jihad“. Den heiligen Krieg. Dahin reichen die Verbindungen der Journalistin. Zu einzelnen Führungsgestalten, zu terroristischen Gruppen, hinein in Regime, bei denen Menschenrechte maximal als „Witze“ angesehen werden (und täglich unter die Räder geraten).

 

 

Und so, aus erster Hand, kann nun der Leser (in sehr flüssig verfasster Form) sich einen zwar partiellen, dennoch aber fundierten Eindruck vom Handeln und denken der gefährlichen Protagonisten machen.

 

Sei es der IS, sei es „die Hamburger Zelle“, sei es der Zustand im Irak, seien es militante Islamisten mit ihren Terroranschlägen in Algerien, Mekhennet ist vor Ort. Im Gespräch. Und erhält Einblicke, die ansonsten selten gewährt werden.

 

„Alles schien ganz normal. Trotzdem war ich sicher, dass wir beobachtet wurden“.

 

Alltag im Arbeitsleben der Journalistin. Misstrauisch beäugt, ja kein Fehler jetzt, keine unbedachte Bewegung, keine Reportagen mit zu großen Interna, die weitere Treffen unmöglich und das eigene Leben an jedem Ort der Welt dann in Gefahr gebracht hätten.

 

Denn der „Wert eines Menschenlebens“ ist in diesen Kreisen, im Rahmen dieser Ideologie unter null, wenn es um „Gegner“ geht.

 

Mit Einblicken in überaus findige Methoden der Kommunikation und einer, in jeder der Reportagen spürbaren, latenten Bedrohung für Leib und Leben. Nicht nur für die Journalistin „mittendrin“, sondern für die gesamte zivilisierte Welt. Denn immer werden Anschläge geplant, wird irgendwo gefoltert, Geiseln versteckt gehalten, Bomben vorbereitet.

 

„Unser Fahrer war nervös“. Und nicht nur dieser Fahrer an diesem Ort. Schon der unbedachte Handgriff nach Ausweispapieren auf dem Rücksitz kann umgehend einen Kugelhagel auslösen.

 

„Die Polizisten waren nervös. Es fehlte nicht viel, das einer von ihnen die Nerven verlor“.

 

Da gibt es nicht nur einen Kollegen, er irgendwann aufgibt und sich anderen Themen zuwendet. Da genügt ein „zu bekannt werden“ oder eine unbedachte Äußerung, um auf „Todeslisten“ zu landen.

 

Eine interessante, nachgerade mit überaus realen Spannungselementen verflochtene Lektüre, die einen ganz anderen Blick auf die Problemlagen, Terrorzonen und die handelnden Akteure in dieser „Welt der Gewalt“ dem Leser vor Augen führen.

 

 

M.Lehmann-Pape 2017