Ankerherz 2017
Ankerherz 2017

 

Stefan Kruecken, Jochen Pioch – Mayday

 

Spannender als jede Fiktion

 

Wenn auf dem Meer die Naturgewalten zuschlagen.

Sturm, meterhohe Wellen, Unwetter, „Grundsee“.

Wenn Unfälle auf hoher See passieren, sei es das Kentern eines kleinen Segelschiffes, sei es ins Rutschen kommende Steine auf einem Baggerschiff, sei es ein auf eine Sandbank laufender Frachter, der dabei auseinanderbricht und vielfache „Seenotgeschichten“ mehr.

 

Dann kommen Sie zum Einsatz.

Seenotretter.

Die in diesem Werk persönlich zu Wort kommen, die von lebensgefährlichen Einsätzen berichten (und manche können davon nicht mehr selbst berichten, weil Sie „auf See“ geblieben sind).

 

Intensiv, spannend lesen sich die einzelnen Erinnerungen an gefährliche Ereignisse, in direkter, klarer Sprache erzählt, so dass der Leser von Beginn an beginnt, mit zu fiebern mit diesen tatsächlichen Helden, die sich selbst letztlich gar nicht so verstehen würden.

 

„Wer vor einer deutschen Küste in Not gerät, kann sich auf die Leute von der DGzRS….verlassen. Wir sollten das aber nie als Selbstverständlichkeit verstehen – denn für die Seenotretter ist es oft ein Einsatz, bei dem sie an ihre Grenzen gehen. Und manchmal auch darüber hinaus“.

 

Und das, wo man eigentlich in der Gegenwart leicht denken könnte, dass auch die Seefahrt sehr viel sicherer geworden ist, als vor Jahrhunderten oder Jahrzehnten noch. Giganten aus Stahl, modernste Technik, beste Navigation.

 

„Was soll auf See noch schiefgehen“?

„Alles!“ (nicht soll, aber kann)

 

Sei es durch Sparen am falschen Ort, durch mangelhafte Ausbildung, sei es im Anblick von Naturgewalten, derer auch modernste Technik und geschulte Manpower nicht Herr werden kann.

 

Dafür steht auch das schlichte, schwarz-weiß Foto des Seenotrettungskreuzer „Adolph Bermpohl“, im Orkan auf Rettungsmission, der Funk reicht solange noch, bis klar ist, dass drei Fischer zunächst gerettet wurden und bricht dann ab. Am nächsten Tag treibt der Kreutzer beschädigt im Meer, von der Besatzung findet sich keine Spur mehr.

 

Wobei auch weniger brisant wirkende Situationen leicht entgleisen können. Wenn fünf Mädchen eine Wattwanderung machen und dann feststellen müssen, dass sie nicht mit der Flut gerechnet haben.

 

Bis hin zu persönlichsten Dramen, wenn Wolfgang Gruben mit ansehen muss, wie sein Bruder vom Meer verschlungen wird (und dieser ist nicht der einzige der Besatzung der „Alfried Krupp“, der durch eine „Grundsee“ sein Leben verliert.

 

 

Vielfache Berichte aus erster Hand, ergänzt durch Bildmaterial und immer wieder auch durch grundsätzliche Verweise auf die Geschichte der Seenotrettung und deren Organisation, die eine emotional dichte Lektüre ergeben und den Leser mit Respekt und Hochachtung zurücklassen.

 

M.Lehmann-Pape 2017