Droemer 2010
Droemer 2010

Stephanie Cowell – Die Frau im grünen Kleid

 

Lebenslange Liebe

 

Claude Monet ist einer jener französischer Maler des 19. Jahrhunderts, der zeitgleich mit Renoir, Cezanne, Pissaro und anderen neue Wege im Rausch der Farben suchte und fand.

Wie vielfach im Blick auf große Kunst lagen ihm die Lorbeeren jedoch nicht von Beginn an zu Füßen. Als unfertig wurden seine Gemälde beurteilt von einem Zeitgeschmack, der immer noch dem Realismus sich zugeneigt zeigte. Der Stil, Emotionen durch Farben auszudrücken und dabei landschaftliche und personale Motive anders zu gestalten als es das Auge fotografisch sehen würde, brauchte Zeit, um sich durchzusetzen.

 

Zeit, die Monet bitter zu überstehen hatte und das nicht nur im finanziellen Bereich. Der eigentliche Schicksalsschlag seines Lebens, das ist das Kernthema des Buches von Stephanie Cowell.

Camille Doncieux, die als junges Mädchen für Monet bereits Modell gesessen hatte, aus gutem Hause stammend, wird die Liebe seines Lebens. Trotz der Standesunterschiede, trotzdem sie ein Leben des Wohlstandes zu verlassen hat, wendet sie sich dem bitterarmen jungen Maler zu, der nur ein wenig Farbe und Leinwand sein eigen nennt, als er Paris betritt.

 

Einiges hat Camille zu ertragen. Nicht nur die materielle Not, auch Monet selbst ist ein schwieriger Charakter, entweicht oft für geraume Zeit dem gewohnten Umfeld, neigt nicht zur Angliederung an die Gesellschaft anderer Menschen, Einsamkeit ist ebenfalls ein Wegbegleiter der jungen Frau, die sich für Monet sprichwörtlich aufopfert.

 

Mit nur 29 Jahren stirbt Camille an einer kurten, scheren Krankheit. Dieser Tod, den Stephanie Cowell ohne Plattitüden zu beschreiben versteht, trifft Monet tief. Sein restliches Leben lang wird dieser Schmerz sein Wegbegleiter sind, wie schon der Beginn des Buches aufzeigt, in dem Cowell den gealterten Monet vorstellt, der beginnt, sein Leben Revue passieren zu lassen. Ein Schmerz des Verlustes, der nicht nur den Menschen, sondern auch den Künstler Monet prägt, wie im weiteren Verlauf des Buches deutlich wird. In vielen seiner Bilder nach dem Tod Camilles kennt Monet nur ein wirkliches Ziel, die Schönheit Camilles und die Schönheit der verlorenen Liebe in Farben auszudrücken.

 

Die historischen Tatsachen des Lebens von Claude Monet und seiner Liebe und Verbindung zu Camille greift Stephanie Cowell stilsicher auf und begleitet den Maler Schritt für Schritt durch sein Leben. Angenehmerweise ist das Buch in keiner Form rosaroten Gefühlen zugeneigt, sondern korrespondiert in der eher zurückhaltenden und dennoch bildreichen Sprache wunderbar passend zum Maler Monet. Eine Geschichte, die durchaus ihren Kern und roten Faden in der Liebe findet, den Blick auf die Biographie Monets im Gesamten aber nicht missen lässt und es versteht die vielfachen inneren Entwicklungen des Malers und seiner Zeit nachzuzeichnen. Durchaus empfehlenswert als romanhafte Künstlerbiographie, wenn auch mit der ein oder anderen Länge versehen.

 

M.Lehmann-Pape 2010