Lappan 2014
Lappan 2014

Tina Teubner – Männer brauchen Grenzen

 

Treffende Satire

 

„Ich selbst bin seit vielen Jahren verheiratet und habe nur wenige Jahre davon bereut. Ich liebe meinen Mann. Ich habe es nur nicht immer auf dem Schirm“.

 

Und daran ist natürlich auch der Mann nicht unschuldig.

 

Nein, nicht nur jener konkrete Ehemann Teubners. Der Mann an sich.

 

Wobei, das muss ja  nicht so bleiben. Wenn die Frauen endlich in vollem Umfang ihren Erziehungsauftrag auch am Mann anerkennen würden. Da geht was. In vielfacher Hinsicht.

 

Was Teubner in ihrem trockenen Witz, in ihrer ausufernden Ironie und jederzeit dabei ernsthaft scheinendem Tonfall nun Seite für Seite humoristisch dem Leser (auch Männer dürfen das Buch lesen!) nahebringt.

 

Und dabei für sehr gute, vom Schmunzeln bis zum lauten Lachen reichende, Unterhaltung sorgt. Eine hintergründige Persiflage zudem noch auf all diese Meterweise die Regale blockierende Ratgeber-Literatur. Denn gerade weil Teubner so fulminant darauf beharrt, einen Ratgeber zu schreiben, enttarnt sie im Hintergrund ein vielfaches an schwurbelnder Formulierungen aus wesentlich ernster und „echt“ gemeinten Lebenshilfen jedweder Coleur.

 

Wichtig ist und bleibt aber vor allem vor Augen, was „Frau“ so machen kann, wenn alle offenen Erziehungsversuche nicht wirklich fruchten, der Mann sich gar herausnimmt „ich will so bleiben, wie ich bin“, mit einem Wort also: wenn der Mann „bockt“.

 

Dabei will Teubner doch nur helfen!

Vor allem jenen Männern, die in der Moderne so ein erbärmliches Dasein fristen zwischen all den einander widersprechenden Anforderungen an den „modernen Mann“.

 

Identitätsverlust, Depression, Bierbauch.

Folgen, die nicht sein müssen, wenn die Frau endlich bereit wäre, den Rahmen zu setzen, der „unreifen Seele im Mann“ ihre Grenzen aufzuzeigen. Natürlich nur, damit dieser Orientierung findet.

 

Aber eines muss Frau lernen: Diskutieren führt nie zum Ziel! Handeln ist angesagt. Rigoros durchziehen. Der Mann ist viel zu „konfliktunfähig, um zu widersprechen“.

 

Warum soll denn das, was für Kinder gut ist (die haben Frauen ja weitgehend im Griff), nicht auch für den Mann gut sein? Also, klare Ansagen und kein Raum zum Wegweichen. So geht´s. Wie Teubner es auf die „Erscheinungsformen“ des modernen Mannes anwendet.

 

Sensible, verzogene, konfliktunfähige, therapierte, sportliche, pollundertragende, kranke, gesunde, langsame, matratzenverliebte Männer und viele Sorten mehr führt Teubner mit ausuferndem Humor derart dem Leser vor Augen, das hier und da kein Auge trocken bleibt.

 

Und doch, wie immer bei guter Satire, nicht selten das eine Korn (mehr als nur Körnchen auf jeden Fall) an Wahrheit und wiedererkennbaren Verhaltensweisen deutlich dem Leserkreis (auch männlichen und zur Selbstreflexion fähigen Männern) vor Augen geführt wird.

 

Allein schon die Einblicke in den Grad höchster Nerverei, den ein „treuer“ und „mit Hundeaugen versehener“ Mann hervorrufen kann (und was man dagegen wirklich machen kann) zeigt exemplarisch das Talent Teubners, vorhandene (reale) „Erscheinungsformen“ übersteigert genau auf den Punkt zu treffen und mit all den bisherigen Versuchen der Diskussion und der Argumente einfach Schluss zu machen.

 

Handeln gilt und Handeln wirkt.

 

 

Sollte man meinen  nach dieser ebenso wunderbar komischen wie temporeichen wie satirisch-klugen Betrachtung von all dem, was „mit dem Mann“ zu tun hat.

 

M.Lehmann-Pape 2014