national Geographic 2016
national Geographic 2016

Tom Perkins – Cook and Bike

 

Interessante „Rezeptur“

 

Kochbücher gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Und Reisbücher ebenfalls. Aber ein Koch-Reisebuch in enger Verknüpfung, das ist nicht allzu weit verbreitet.

 

Genau aber ein solches legt Tom Perkins mit „Cook & Bike“ nun vor. Eine „kulinarische Reise“ der besonderen Art, die einer reinen Bierlaune zunächst entsprungen ist. Ab aufs Rad und Richtung Süden, bis es nicht mehr geht. Mit Gepäck auch, das vor allem zunächst eines sein soll: unnütz.

 

Schnell wurde die Route noch im gleichen Gespräch erweitert, wenn schon, denn schon. Nicht in England nach Süden, soweit es geht, sondern gleich nach Kapsatdt, Südafrika. Auf dem Rad natürlich. 20.000 Kilometer.

 

Eine Verbindung von Abenteuer, Kultur und, ja, Essen.

 

„Denn was bringen Einwanderer in ein neues Land mit? Die Antwort ist einfach. Ihre Küche“.

 

Somit verband sich von Beginn der Idee an mit deren Ausführung der Einblick in das je spezifische Essen entlang der Route.

 

„Hierbei geht es um Menschen und darum, was das Essen und seine Zubereitung für sie bedeuten“. Und darum geht es bei den vielfachen Rezepten und ebenso vielfachen bildlichen und textlichen Eindrücken im Buch nicht unbedingt um eine strukturierte Tiefe des einen oder anderen, das Buch will weder Kochbuch im grundsätzlichen Sinne noch konkreter Reiseführer sein, sondern es geht um die durchaus spannende Betrachtung, dass eine Mahlzeit „nicht die Summe ihrer Zutaten“ unbedingt ist, sondern „wie gehaltvoll sie im menschlichen Sinne ist“.

 

Wie sie Einwanderer an ihre Heimat erinnern, ihre Kultur durch Essen transportiert wird du zugleich eine Verschmelzung mit der neuen Kultur auf Dauer ergibt, die eine gegenseitige Bereicherung (und das eben nicht nur der Küche) am Ende darstellt.

 

Rösti in der Schweiz mit intensivem Bergerleben und kleineren Fotografien mit landestypischen Eindrücken. Ristotto in Italien mit Blick auf Gondeln in Venedig und der Fotografie zweier vollgepackter Fahrräder auf saftig grüner Wiese vor hochaufragenden Gipfeln, ergänzt durch kurz Texte über je landesübliche Bräuche (und eben Rezepte), die umso exotischer werden, je weiter die Tour die beiden Radfahrer aus europäisch noch vertrauten Gebieten in „orientalische“ Exotik hineinbringen.

 

Und immer wieder Bilder, kurze Zusammenfassungen von Begegnungen mit je Einheimischen, mit anderen Lebensformen, mit traditioneller Küche oder auch Aussteigern, die andere Lebensformen repräsentieren und zudem anderes „auf den Tisch bringen“ (Schaschuka mit Rindfleisch nach Art der „Anarchisten-Kommune“, um nur eines der eher andersartigen Gerichte und der besonderen Begegnungen zu nennen).

 

„Alles gut gegangen“, das kann man Ende sagen, wenn man die beiden Radfahrer von Beginn an bei einer, zurecht „blauäugig“ zu nennende Planung und dann Durchführung begleitet. Ein Buch, das sich gut lesen und ebenso gut mit seiner besonderen Atmosphäre  der eben nicht „Hochglanz-„ sondern „atmosphärischen Fotografie“ betrachten lässt und das in seiner Form und seiner Umsetzung wunderbar treffend das gesamte „innere“ Klima der langen, langen Tour widerspiegelt.

 

 

Und, nicht zuletzt, vielfache, anregende, interessante Rezepte erhält, die Besonderheiten des Alltages in den vielen durchquerten Ländern darstellen.

 

M.Lehmann-Pape 2017