Hirzel 2014
Hirzel 2014

Udo E. Simonis (Hg.) – Vordenker und Vorreiter der Ökobewegung

 

Interessante Lebensbilder

 

Nichts an Gedankengebäuden und daraus folgenden Haltungen fällt einfach so vom Himmel.

 

Die aktuelle Diskussion der Nachhaltigkeit, der Schwerpunkt, der seit Jahren auf die Ökologie gelenkt wird, vor Jahrzehnten die Gründungsphase der „Grünen“ mit der Ökologie als zentralem „Parteithema“, all dies ist bereits seit gut zwei Jahrhunderten vorgedacht und  hier und da erprobt worden.

 

„Philosophen und Praktiker, Natur- und Sozialwissenschaftler….. denen der Erhalt und die Pflege der Natur ein besonderes Anliegen waren und sind“ werden in diesem Buch in Auswahl portraitiert. So sind 40 Lebensbilder zusammengestellt, die als Wegbereiter und Vorreiter die Neuzeit des aktiven Umweltschutzes und den Nachhaltigkeitsdiskurs vorgedacht und, in Teilen, mit auf den Weg gebracht haben.

 

Bekannte Namen wie Alexander von Humboldt, Karl Marx, Thoreau, Joseph Beuys oder Christiane Underberg tauchen in dieser speziellen Betrachtung ihres Einflusses auf das ökologische Denken ebenso auf, wie eine Vielzahl wenig geläufiger Personen. Im Gesamten wird bei der Lektüre der durchaus verschiedenen, teils stark unterschiedlichen Lebenswege und Denk-, bzw. Handlungsansätzen deutlich, wie lange bereits die Natur und der Umgang mit derselben Thema ernsthafter Überlegungen bereits ist und wie schon vor langen Zeiten Überlegungen und Gedanken in den Raum traten, die „hochmodern“ anmuten.

 

Wie schon Humboldt die Ressource „Holz“ zur „Balance zwischen Nachwuchs und Konsum“ bringen wollte und an sich den Begriff „Nachhaltigkeit“ in Kontrast zur Befürchtung eines „Kollaps“ brachte.

 

Oder wie Elisabeth Mann-Borgese nicht müde wurde, den „Schutz der Ozeane“ zu fordern und auf eine weltweit gerechte Aufteilung der Ressourcen aufmerksam zu machen. Mit einem Kern ihrer Überlegungen, der „Zügelung der kurzfristigen Profitinteressen“, die gegenwärtig in den „Weniger ist Mehr Modellen“ fast wörtlich sich widerspiegeln.

 

Kurz und knapp sind die Portraits gehalten, eine Vertiefung des Gedankenmodelle findet (leider) sehr verhalten bis kaum statt, mehr als Stichworte sind aus dem Buch nicht abzuleiten.

 

So dient diese Sammlung von Kurz-Portraits dem Leser vor allem dazu, interessante Querverbindungen „älteren bis alten Gedankengutes“ und aktiver Einmischung breit zu erfassen, um dann in Eigenarbeit, da, wo Interessen wachgerufen werden, sich die Haltungen und Überlegungen der einzelnen Personen an anderem Orte vertiefend anzueignen.

 

Findet sich aber dabei in „guter Gesellschaft“ auch im Buch wieder. Malte Faber verweist in seinem Denken und seiner Arbeit sehr deutlich auf die Notwendigkeit einer interdisziplinärer Herangehensweise, somit einer breiten Beschäftigung mit dem Thema in viele Bereiche hinein.

 

Dennoch, ein wenig mehr an Text und breiterer Darstellung im Blick auf diese interessanten Personen und ihre Projekte hätte dem Buch gut angestanden.

 

 

Alles in allem ein interessanter und breiter, wenn auch nur sehr allgemeiner, Überblick, der eine vertiefende Lektüre dann nach sich ziehen wird, wenn man Näheres und Genaueres erfahren möchte.

 

M.Lehmann-Pape 2014