oekom 2013
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Ugo Bardi – Der geplünderte Planet

 

Ein Bericht

 

Hinter den aktuell und intensiv vordergründigen globalen Themen der Wirtschaft, der Finanzkrisen, der Überschuldungen, auf ökologischer Ebene auch des Klimawandels, steht seit Jahrzehnten grundlegend das Thema der Verknappung der Rohstoffe im öffentlichen Interesse und das nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht.

Der Kampf um diese Ressourcen steht ebenfalls seit Jahrzehnten im Raum. Erdöl, seltene Erden, Edelsteine, Gas sind im Mittelpunkt teils härtester Verteilungskämpfe.

 

Die Ideen von Nachhaltigkeit, von der Notwendigkeit der Schonung vorhandener Ressourcen und der Entwicklung nachhaltiger Alternativen steht gegenüber diesen Verteilungskämpfen bis dato eher in zweiter bis dritter Reihe der Prioritäten.

 

In dieser Gemengelage setzt Ugo Bardi mit diesem sehr differenzierten Bericht an den „Club of Rome“ durchaus Maßstäbe der Diskussion. In unpolemischer Form stellt Bardi den Staus Quo in den Rahmen der historischen Entwicklung der Erde, der geologischen Geschichte und der je konkreten Haltung gegenüber den „Schätzen der Erde“ im Verlauf der Zeiten. Zudem beschreibt er nüchtern die gegenwärtige Lage (soweit gesicherte Erkenntnisse vorliegen) und zieht ebenso nüchterne Schlüsse für die mittelbare (in Teilen auch für eine fernere) Zukunft.

 

Mit dem eindeutigen und argumentativ fundiert unterlegtem Fazit, dass die Grenzen des Wachstums erreicht sind und jede Verschwendung von Zeit in Bezug auf ein „Weiter so wie bisher“ die Menschheit in eine noch schwierigere Lage bringen wird. Eindrucksvoll argumentiert im Übrigen, ohne die Haltung eines „Untergangspropheten“ einzunehmen. Mit einer Vielzahl klarer Hinweise auf Schritte, die wichtig, nötig und praktikabel wären.

 

Sei es die Werststoffrückgewinnung statt der Rohstoffverschwendung, als gäbe es kein Morgen, sei es ein klares Nein gegenüber dem Fracking (sehr gut auch für Laien dargestellt und nichts anderes als ein „Weiter so“ mit immer härteren und nachhaltig destruktiven Mitteln) oder auch der Hinweis auf eine intensive Weiterntwicklung des Recycling, gerade im Blick auf wertvolle Rohstoffe wie „Seltene Erden“.

Bardi läuft dabei nicht vor die Wand, sondern kann jene Entwicklungen und Kräfte aufnehmen, die bereits Schritte in eine nachhaltige Richtung begonnen haben, zu gehen.

Nur, dass es eben mehr davon und schneller benötigt. Dies aber wir nicht so funktionieren, den gegenwärtigen industriellen Staus Quo aufrecht zu erhalten, sondern andere, deutlich „ärmere“ Formen des Wirtschaften und Lebens werden sich entfalten müssen, das scheint für Bardi (nach Lektüre seines, „Zukunftsausblickes“ im Buch) klar zu sein. Eine Anpassung, die unter bestimmten Bedingungen (bei denen Energie in Form von Strom die Hauptrolle spielen wird) aber durchaus gelingen kann.

 

All dies gründet er auf seine Darstellung der „geologischen Geschichte“, auf deren Hintergrund der Umgang mit den Ressourcen betrachtet und zurückgeführt werden muss. Ressourcen werden nicht einfach so verschwinden, aber die „ehrlichen“ Kosten zur Gewinnung und Nutzung werden explodieren. Ohne ein „nachhaltiges Ressourcenmanagement“ wird hier keine konstruktive Zukunft für den gesamten Planeten zu erwarten sein. Wobei sehr bildhaft und sehr nachvollziehbar Bardi die „Red Queen Hypothese“ und den geschichtlichen Vergleich des römischen Reiches (samt der damals auch nicht gesehenen) konstruktiven Alternativen als Beispiel vor Augen führt.

 

Ein wichtiges Buch, dass Ursachen, aktuelle Lage, Lösungsmodelle und konstruktive Ausblicke und Anreize zum Umgang mit den Ressourcen des Planeten in gleicher Weise vor die Augen des Lesers setzt.

 

M.Lehmann-Pape 2013