National Geographic 2017
National Geographic 2017

Vincent Laforet – City Lights

 

Überwältigend und mit ganz eigener Perspektive versehen

 

Sechs weltbekannte (und herausragende) amerikanische Städte, je eine aus Deutschland, England, Spanien und Australien.

 

Multi-Metropolen, für die der einfache Begriff „Metropole“ je auf ihre eigene Art und Weise eigentlich zu kurz gegriffen ist (15 Millionen Einwohner in den verschiedensten Zusammenstellungen und in den verschiedensten architektonischen „Gebieten“ Londons, der „Moloch“ New York, das vielfach „noch Grüne“ aber rasend expandierende Berlin u.a.).

 

Metropolen, denen sich Vincent Laforet differenziert aus ganz ungewöhnlicher, doch überaus aussagekräftiger Weise her nähert und dabei dem Leser tatsächlich so noch nie gesehene, neue Eindrücke von diesen „Lebewesen“ anbietet. Großformatig deutlich über das gewohnte Maß von Bildbänden heraus zeigt dabei schon der äußere, haptische Eindruck, dass hier Besonderes wartet.

 

Die Fotografien, selbstverständlich, von höchste Qualität und im Spiel mit dem Einbrechen der Nacht und der Nacht selbst, in den Perspektiven je von „hoch oben“ erben sich visuelle Eindrücke, die Bild für Bild und Seite für Seite für ein langes Verweilen garantieren.

 

Denn Trotz der Form der Panoramafotografie bleiben Einzelheiten zu erkennen, lassen sich, mit genügend Zeit zur Betrachtung, charakteristische Punkte jeder Stadtlandschaft ins Auge nehmen. Eine wahre Freude im Ablauf von Licht und Dunkel, bei dem das „Dunkel“ durch den Menschen in diesen Metropolen natürlich taghell erleuchtet ist. Unten, auf den Straßen, nicht oben, von wo Laforet seine Fotografien setzt.

 

Und damit, nach einer Weile der Betrachtung, den Leser ebenso befähigt, aus der Art und des Umfangs der Beleuchtungen her, das „“Licht“ geographisch einordnen und zuordnen zu können.

 

„Fließendes Gold“, das setzt sich als Bild beim Betrachter fest, schaut er in tiefster Nacht wie ein Vogel auf den Hudson mit den zwei goldenen Brückenbändern und der ebenso golden beleuchteten Küstenlinie.

 

„Gold-Blaue-Geometrie“, das setzt Chicago dem Fotografen entgegen.  Teils wie mit dem Lineal gezogen, endlos in den dunklen Horizont ausufernd, zeigen sich menschliche Stadtplanung und mystische Farben in bester Farbe kombiniert.

 

Was in der Nahaufnahme des sich langsam (vom Tag her abdunkelnd, von der Beleuchtung her) aufstrahlenden Los Angeles viele eher wie eine sorgsam gestaltete Modellandschaft aus Lego-Häusern zeigt, als dass hier ununterbrochen pulsierendes Leben ein Zuhause genommen hat.

 

Noch eintöniger in der strengen Geometrie und doch charaktervoll in der Beleuchtung, die strikt in hell und dunkel unterteilt und, wie Farbtupfen in dunkler Nacht, „Lichtseen“ in Wasserblau dem Betrachter darbietet, das Auge kann sich an diesem Werk gar nicht wirklich sattsehen.

 

„Wenn man, wie ich, Monate im All verbracht hat, erkennt man schon allein an der Anordnung der Lichter, welchen Teil der Welt mang gerade überfliegt“. So schreibt es Donald R. PEttit im Geleitwort und genauso gelingt es Laforet, diese einmaligen Eindrücke aus dem Hubschrauber heraus abzulichten.

 

 

Was Bildbände angeht, ist dies hier ohne Zweifel ein überragendes Meisterwerk.

 

M.Lehmann-Pape 2017