dtv 2013
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Walter Hansen – Richard Wagner

 

Sprachlich flüssig Biographie

 

Die Liste der Biographien über Leben und Werk Richard Wagners ist lang. Von allen Seiten her ist diese, menschlich durchaus umstrittene, künstlerisch aber natürlich breit gewürdigte Gestalt bereits betrachtet und dargestellt worden. Vom fanatischen Perfektionisten bis zum humorvollen „Kasper“ reichen dabei die Bilder, die von Wagner gezeichnet wurden.

 

In dieser breiten biographischen Lage bietet, vorweg gesagt, Walter Hansen nicht unbedingt Neues. Vieles vollzieht er durchaus zum wiederholten Male nach. Chronologisch geht er im Buch von der „ungewissen Herkunft“ über die Kindheits- und Jugendjahre, von der Zeit des persönlichen, vor allem aber künstlerischen Reifens (mitsamt der durchaus erwähnenswerten „Liebesleidenschaften“ jener Zeiten) mit einem Blick durchaus auf die „Elendsjahre“ und die „revolutionären Umtriebe“ Wagners voran.

 

Die Begegnung und Freundschaft mit Liszt, die im schweizer Exil beginnt, den Unterstützer Fürst Metternich, die Zeiten in Paris bis zum drohenden Ruin Anfang des Jahres 1864 („Ein Wunder muss mir begegnen, sonst ist´s aus“), all dies legt Hansen ausführlich und, dies vor allem die Stärke dieser Biographie, sehr verständlich und flüssig, teils wie einen Roman erzählt, vor. Das Wagner durchaus berechnend überlegte, sich scheiden zu lassen, um eine vermögende Frau zu finden gehört ebenso in diese Zeit, wie erste Kontakt zu Ludwig dem II., letztlich dem großen Gönner und Potentaten, der Wagners Werk in Gänze erst in der Form ermöglichte, die zu Weltruhm späterhin führte. Gut nachvollziehbar kontrastiert Hanen im Buch den schon verzweifelten Plan Wagners, sich in einer „Jägerhütte in den Bergen“ vor allem zu verbergen, als er unverhofft die Einladung an den Hof Ludwigs II. erhält.

 

Zeiten „unter dem Füllhorn“ die nun anbrachen und in Bayreuth ihren glänzenden Gang dann nahmen. Bis hin zur Abwendung des „großen Gönners“ Mitte 1882. Erwähnenswert auch deshalb, weil Wagner, im Ruf des Antisemiten stehend, die Inszenierung des „Ring der Nibelungen“ zu jener Zeit dem jüdischen Freund Angelo Neumann anvertraute. Wie Hermann Levi die Verantwortung für den „Parsifal“. Und dann doch nach der Generalprobe sagte: „ich möchte nicht als Orchestermitglied von einem Juden dirigiert werden“. Um dann doch zu erleben, wie gerade dieser „Parsifal“ kurz vor seinem Tod triumphal vom Publikum aufgenommen wurde

 

Einfach in eine feste Schablone zu pressen, dass war und ist Wagner nicht und das verdeutlicht auch Hansen in seiner Darstellung. So, wie er, endlich von Zweifeln und, vor allem, Geldsorgen befreit, diese Zeit nicht wirklich wird auskosten können, kurz danach, Anfang 1883 stirbt Wagner.

 

Inhaltlich nichts Neues, durchaus aber ein angenehmer, informativer und gut zu lesender Stil ist es, der diese Biographie trotz einiger Oberflächlichkeiten empfehlenswert macht. Gerade für Leser, die sich vielleicht erstmalig oder, nach längerer Zeit, wieder einmal Person und Werk (mit hier eines deutlichen Schwerpunktes auf die Person) Wagners annähern möchten.

 

Insgesamt ergibt sich eine flüssige „Handlung“, welche die Lektüre angenehm vereinfacht. Im Sinne eines tieferen Verständnisses gerade in die wichtige Werkgeschichte sind allerdings andere Biographien und Quellen dann vertiefend hinzuzuziehen.

 

M.Lehmann-Pape 2013