Knaus 2011
Knaus 2011

Walter Kempowski – Umgang mit Größen

 

Literaten Assoziationen

 

Walter Kempowski, 2007 verstorben, hat nicht nur einiges von Bedeutung geschrieben, sondern, wie dieses Buch nachweist, auch in Mengen und Massen gelesen. Und zwar Querbeet.

 

Es ist durchaus eine erstaunliche Zusammenstellung in so manchen Teilen kaum zueinander passender literarischer Genres und Schriftsteller, die im Buch durch Kempowski erwähnt werden. Über 90 „Schriftstellerkollegen und –kolleginnen“ finden Erwähnung im Buch,

 

Goethe ist klar, aber in einem Atemzug mit Karl May und Johannes Mario Simmel? Storm, Strindberg, Grass, aber auch Konsalik, Jules Verne und Joseph Roth. Klassiker und Franzosen, Komödianten und Dramatiker, Thomas Mann und Heinrich, Fiction und Geschichtenerzähler, schwermütiges russisches und verknapptes von Hemingway, sexuelles von Henry Miller und eher anstrengend Erbauliches von Hesse. Eine hohe Breite an Gelesenem, eine ebenso hohe Breite an dahin geworfenen Meinungen, die sich im Buch finden. Die persönliche Meinung über die Kollegen wird kundgetan, mal literarisch, mal persönlich.

 

Erwähnung finden all diese Schriftsteller in einer Art und Weise, die den Leser hier und da durchaus vor Rätsel stellt. Vor allem in der Einordnung dessen, was die einzelnen Text nun aussagen sollen. Am ehesten kann man die Einlassungen Kempowskis als subjektive Assoziationen bezeichnen. Persönliche Meinungen, manches Mal, wie bei Grass, an einer kleinen Begegnung aufgehängt, ein anders Mal wie bei Hemingway aus der Tiefe grundsätzlicher Abneigung gegenüber dem „verkürzten Stil“. Hier und da mit biographischen Daten versehen wie ein kleines Portrait, an anderen Orten nur bei einer Begebenheit, einem Eindruck verweilend. Im Gesamten wirkt das Buch so, als hätte Kempowski zu verschiedenen Anlässen nur einige Notizen persönlicher Art hingeworfen.

 

Gut, dass der langjährige Lektor Kempowskis, Karl Heinz Bittel, ein erläuterndes Vorwort beisteuert. Und verweist auf die „Eitelkeit“ des Schriftstellers, das durchaus auch argwöhnische Betrachten der Karriere der anderen. Denn eines verbindet alle Texte auf jeden Fall, eine Bewertung ist immer enthalten. Damit nun schwingt sich Kempowski durchaus auch zum Richter über die vielen Namen hinauf. Urteilt, verurteilt in Teilen, lässt spitze Bemerkungen einfließen und zeugt so mindestens ebenso von seinem Innenleben, wie vom Inhalt seiner Beschreibungen.

 

„Was Paul über Peter sagt, sagt mehr über Paul aus, als über Peter“. In diesem Sinne enthält das Buch eine Vielzahl überaus interessanter Einblicke in Kempowskis persönliche Welt, seine Haltung, aber auch in die Breite seiner Interessen und Gedanken.

 

Inhaltlich ist der Titel des Buches daher durchaus passend gewählt. „Umgang“ geht in die Richtung eines „irgendwie“ sich nähern. Vieles ist unter diesem Wort gemeint und möglich und vielfache „Umgänge“ finden sich in den einzelnen, durchweg knappen Betrachtungen in kurzen Texten. Stilvoll in Form und Spracheausgedrückt allemal, aber mit manchen Anfragen, wieweit es für den Leser wirklich von Interesse ist, dass Kempowski Hermann Hesse physisch so unangenehm findet, dass er ihn noch nicht einmal auf Fotos anschauen mag. Sicher interessant für Kempowski Fans und allgemein kurzweilig im Blick auf die kurzen Einblicke in die vielen, erwähnten Schriftsteller.

 

M.Lehmann-Pape 2011