Integral 2011
Integral 2011

Wolfgang Lippert – Lippi-Bekenntnisse

 

Eine deutsch-deutsche Karriere

 

Wolfgang Lippert ist durchaus bekannt. Sicher zunächst aus seinem eher „Gastspiel“ zu nennenden Part als Moderator von „Wetten Dass“, durchaus aber auch aus verschiedenen anderen Tätigkeiten und Auftritten im Fernsehen.

Seine Bekanntheit unterliegt allerdings einem, aus der allgemeinen und seiner Lebensgeschichte resultierenden, deutlichem Gefälle. In den östlichen Bundesländern ist er überaus und breit bekannt, in den westlichen Bundesländern eher einer, bei dessen Namen man doch die ein oder andere Minute genauer überlegen muss.

 

In der ehemaligen DDR war „Lippi“ einer  der bekanntesten Moderatoren, Fernsehschaffenden, Sänger überhaupt und ihm erging es wie einer Vielzahl seiner ostdeutschen Kollegen nach der Wende. So richtig auf die Showgrößen der DDR gewartet hatte im vereinigten Deutschland niemand. Vieles musste neu angegangen, neu erarbeitet werden und bei weitem nicht alles gelang dabei. Ungeübt war man auch im Umgang mit den professionellen Strukturen und leicht unter die Räder konnte man da kommen. Auch davon erzählt Lippert im Buch.

 

Geschichten von Misserfolgen und auch persönlichen Niederlagen, die Wolfgang Lippert in keiner Weise scheut oder auslässt in seiner nun vorliegenden Autobiographie. Im Gegenteil, statt einer glanzvollen Fassade und einer Darstellung beständig guter Laune, präsentiert sich Lippert durchaus reflektiert, besonnen und nachdenklich. In durchaus ironischer Sprache, mit viel Wortwitz versehen, dennoch aber jederzeit in klaren Aussagen erkennbare und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, lässt er seine Lebens- und Karrierejahre Revue passieren, berichtet von für ihn wichtigen Begegnungen mit manchen Prominenten aus Ost und West, schildert die Arbeitsumstände in der ehemaligen DDR, seine Erfolge, seine Prominenz (samt der freudigen Vorteile, die damit einhergingen) und eben von jenem Moment, in dem im Raume stand, dass es „auch mit Lippis Karriere“ vorbei sei. Und das aus dem Mund des damals zuständigen SED-Parteisekretärs Achim Falk, das hatte durchaus schon Gewicht. Ein frischer, aber auch deutlich kälterer Wind kündigte sich an. Eine Situation, die Lippert durchaus bereit war, anzunehmen. Überdeutlich stellt er im Buch heraus, dass es eben „frisch“ nicht ohne „kühl“ geben kann, wenn die verrammelte Wohnstube nun endlich geöffnete Fenster nach allen Seiten hat.

 

Vielfache Erfahrungen und eine innere Bereitschaft, sich dem Neuen zu stellen, die ihn dennoch nicht davor bewahrt haben, unglaubliche Angst vor dem Abenteuer „Wetten dass“ zu empfinden. Eine Episode, die mit einer heftigen Enttäuschung endete, denn was die „großen Jungs“ unter Freundschaft verstehen ist nicht das, was der „olle Lippi“ darunter versteht.

 

Hier spricht einer, der bei sich angekommen ist. Vielfache, bunte, farbige Geschichten sind es, die im Buch zu finden sind und ein Autor, der es versteht, seine Mitmenschen, Kollegen, alle, auf die er trifft, in wenigen Sätzen auf den Punkt zu charakterisieren

 

Hier und da überzieht Lippert ein wenig mit seinen Sprachspielen und seiner schnoddrigen Art, hier und da wird es vielleicht ein wenig zu persönlich (und wäre daher besser, auch im letzten Teil das Private genauso diskret hinten anzustellen wie vielfach zuvor im Buch).

 

Im Gesamten bietet das Buch jenen, die Lippert seit Jahrzehnten bereits kennen, interessante Einblicke auch in die eigene Vergangenheit und allen Lesern einen Blick auf einen direkten und klaren Lebensweg, der von sich selber auch durch Misstöne, Enttäuschungen und Misserfolgen zu sprechen versteht. Einer, der, statt immer im Mittelpunkt zu stehen, nach einem langen Weg spürbar seine eigene Mitte gefunden hat.

 

M.Lehmann-Pape 2011