Droemer 2017
Droemer 2017

A.K. Benedict – Die Seelen von London

 

Munter und überwiegend spannend erzählt

 

Eine Blinde, die aufgrund einer kürzlich erfolgen Operation eigentlich sehen könnte. Aus freiem Willen aber lieber eine Augenbinde trägt. Was ziemliche Folgen für ihre Privatsphäre in der eigenen Wohnung haben wird.

 

Ein Detetective in London, der (zu Anfang des Romans, später wird das noch eine ganz andere Form von Wohnen werden) auf einem Feldbett im Büro nächtigt und fast mehr damit beschäftigt ist, seine scheiternde Ehe auf die Reihe zu bekommen, als seinen Dienst konzentriert zu versehen.

 

Ein „Verehrer“, der auf Freiersfüßen wandelt, gerne einen Ring „noch am Finger“ als Verlobungsgeschenk hinterlässt und mit der Polizei (lange) Katz und Maus spielt.

 

Ein Bestatter, der „in eigener Sache“ einen Kollegen aufsucht, erstaunt darüber ist, dass dessen Frau im Hause ist (wurde die nicht schon beerdigt), aber mit sich und seinem aktuellen Zustand jede Menge selbst zu schaffen haben wird. Hätte er sich mal nicht auf diese kriminelle Vereinigung eingelassen. Was man gut im Nachhinein bedauern kann, der Schaden aber ist wohl endgültig angerichtet.

 

Eine Taxifahrerin, die nicht selten „besondere“ Fahrgäste chauffiert.

 

Eine Stadt, in der nicht nur die Lebenden zahlreich vertreten sind, sondern auch so mancher Tote nicht länger im „Dunkelgrau“ verharrt, sondern mit vielen Leidensgenossen die Straßen bevölkert. Was, zum Glück, nur wenige Lebende wirklich „sehen“ können. Aber eine Ahnung, die bekommen viele der Einwohner. Manche mehr, als ihnen lieb sein kann.

 

So erzählt Benedict mit einem munteren Reigen von anregend gestalteten Personen einen ebenso flüssigen und spannenden Reigen von eigentlich zwei Geschichten, die sich vielfach kreuzen und an bestimmten Stellen auch miteinander verbinden werden.

 

Den „Stalker“ zu finden, bevor er seine nächste „Auserwählte“ tötet (wobei die letzte der Verlobten zwar ermordet wurde, keineswegs aber still ihr Schicksal hinnehmen wird), das sind die fiebrigen Ermittlungen auf der „lebenden“ Seite des Romans.

 

Die kriminelle Vereinigung auszuschalten, zumindest aber die geliebte Ehefrau vor einem grässlichen Schicksal zu schützen, das ist die Zielsetzung auf der „toten“ Seite des Romans.

 

Und da gibt es ja auch noch jene Form von „Geistern“, die andere Geister „aussaugen“ und sie paralysiert im Dunkelgrau verrotten lassen.

 

Jede Menge Gelegenheit also für gefährliche und enge Situationen, die Benedict nutzt und damit die Geschichten mit Tempo nach vorn erzählt.

 

Auch wenn das ein oder andere doch weit hergeholt erscheint und nicht alle Impulse, die gesetzt werden, dann weiter durch erzählt werden bildet dieser Roman aus dem Diesseits du Jenseits eine erfrischende Unterhaltung und hält den Leser von Anfang bis Ende bei der Stange.

 

 

M.Lehmann-Pape 2017