dtv 2012
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Anne Rademacher (Hg) – Haunted House

 

Klassiker

 

Fünf „Geistergeschichten“ sind es, die Anne Rademacher für dieses kleine, zweisprachige Buch ausgewählt hat. Geschichte in der langen Tradition englischer Spuk- und Gruselgeschichten, die in der Form der Gegenüberstellung (linke Seite Originaltext, rechte Seite deutsche Übersetzung) in bester Weise im originalen Tonfall und Duktus zugänglich gestaltet.

 

Geschichten, in denen, ebenfalls „klassisch“ das Grauen vorwiegend in alten Gemäuern haust, so wie in Roald Dahls „Die Wirtin“, bei der man bereits ahnt, wenn sie von vorhergehenden, jungen Gästen als „so reizende Leute“ spricht, dass da noch anderes, Schlimmes hinter der lächelnden, burschikosen Fassade der handfesten Wirtin wartet.

 

Genauso, wie H.G. Wells „das rote Zimmer“ schon in den ersten Sätzen mitten hineinführt in den „Überschwang“ der „mutigen“ Jugend. „Für jemand, der erst achtundzwanzig Jahre alt ist, gibt es noch viel zu sehen. Viel zu sehen und zu beklagen“. Was der junge Mann allerdings (auch aus eigener Selbstüberschätzung heraus) im „roten Zimmer des Hauses“ in ganz anderer Weise zu lernen haben wird, als er selbst es für möglich gehalten hätte.

 

Gut gewählt hat Anne Rademacher, all fünf Geschichten transportieren genau jene, bekannte, klassische britische Stimmung, führen die Protagonisten (und damit ebenso die Leser) durch eine Vielzahl von dunklen Andeutungen, kleinen, merkwürdigen Ereignissen dann erst hinein in die bedrängende, gefährliche Welt der Begegnung mit dem Spuk.

 

Jede der Geschichten ist ein Genuss, weit entfernt von Blutorgien oder brachialer Gewalt manch moderner Thriller, sondern auf einer tieferen Ebene wirkend. Der der generellen Unsicherheit des Lebens mit der Warnung, sich nie seiner Sache oder einer Umgebung zu sicher zu fühlen. Eine empfehlenswerter Lektüre, auch, was den englischen Originaltext angeht, welcher den Leser noch mehr in das Schaffen der Autoren hineinführt.

 

M.Lehmann-Pape 2012