Klett-Cotta 2014
Klett-Cotta 2014

Anthony Ryan – Das Lied des Blutes

 

Mittelalterliches Fantasy Epos

 

Deutlich eher in Richtung des „Liedes von Eis und Feier“ denn in Richtung eines „Herrn der Ringe“ entfaltet Ryan seinen ersten Roman.

 

Schon die Aufmachung des Buches mit den Karten des fiktiven Landes und dem Anhang der handelnden Personen erinnert stark an die Form der Romane von George R.R. Martin.

 

Allerdings konzentriert sich Ryan über lange Strecken seines Buches doch deutlicher auf eine Hauptperson. Krieger, Kämpfer, Ritter, Ordensmann, „Hoffnungstöter“, legendenumwoben ist jener kräftige, vernarbte Mann mit dem langen Schwert, den der Leser zu Beginn des Buches auf dem Weg zu einem Duell kennenlernt. Bewacht von kaiserlichen Soldaten, begleitet vom kaiserlichen Schreiber.

 

Ein Kämpfer, der scheinbar den Sohn des Kaisers (und besten Freunde des Schreibers) im Kampf getötet hat. Einer aber auch, der von nahmen sehr viel differenzierte Schattierungen als Person aufzeigt, als es die Legenden vermuten lassen würden.

 

Auf der Überfahrt zum Duell erzählt er dem Schreiber seine Geschichte, von Kindheit an. Da, als sein Vater, das „Schwert des Königs“ (wenn da mal nicht die „Hand des Königs“ Pate gestanden hat…) nach dem Tod seiner Mutter ihn an den Pforten des Ordens abgibt.

 

Jener Orden, der Kämpfer formt, der die Novizen eine harte Schule durchlaufen lässt, der von nun an die einzige Familie sein soll, welche die jungen Menschen kennen sollen.

 

Vaelin al Sorna ist begabt. Im Schwertkampf, im Durchhalten. Getreu dem Familienleitspruch: „Loyalität ist unsere Stärke“ und angetrieben von der tiefen Enttäuschung, dem Hass auf seinen Vater, der ihn einfach weggeben hat. Wobei Vaeilin die Hintergründe noch nicht kennt.

 

Doch eines Tages wird die geschlossene Welt des Ordenslebens für Vaelin durchbrochen. Bei einer Prüfung in der Wildnis trifft er auf ein stummes Mädchen und ihren Begleiter.

 

Personen, die gejagt werden von einem anderen Orden, der sich die „Ketzervernichtung“ auf die Fahnen geschrieben hat. Denn es kann nur einen Glauben geben und ausgerottet gehört, wer anders denkt, glaubt oder gar behauptet.

 

Eine einseitige Denkweise, der sich Vaelin nicht unbedingt anschließen kann und so  ist die Saat gelegt für eine zunehmende Reibung in dem jungen Mann und einen zunehmend sich abzeichnenden eigenen Weg. Der ihn zu „dem Kämpfer“, dem „Hoffnungstöter“ werden lassen wird, vor dem die Welt bebt. Oder ihn verehrt, wenn sie ihn näher kennengelernt hat.

 

Gerade der Beginn und die sorgsame Schilderung des geheimnisvollen Mannes mit den vielen Beinamen lassen beim Leser Neugier erwachsen auf die Schlachten, die in den Dialogen angedeutet werden und den Fortgang des bevorstehenden Duells, bei dem niemand auf diesen „Hoffnungstöter“ und „Rabenschatten“ wetten würde.

 

Eine Neugier, die es dann auch ein stückweit braucht, denn es dauert, bis wirklich Bewegung in die Ereignisse kommt. Allzu lang ziehen sich die Berichte aus den jungen Jahren im Orden durch die Seiten und allzu klar ist bereits von Beginn an das herausragende Talent des jungen Vaelin. Hier hätte eine Straffung dem Buch durchaus gut zu Gesichte gestanden, die nicht unbedingt die verschiedenen Personen in ihrer Einführung in das Geschehen zu kurz hätte kommen lassen.

 

Im zweiten Teil des Buches aber nimmt Ryan durchaus Tempo auf und entfaltet Intrigen, Kämpfe, Kriege und darin die Entwicklung des Schwertkämpfers in unterhaltsamer und anschaulicher Weise.

 

 

So steht am Ende trotz der ein- oder andere Länge eine anregende Lektüre und eine kreative Gestaltung einer „neuen Welt“ und eines „neuen Helden“ im bekannten Genre.

 

M.Lehmann-Pape 2014