Page&Turner 2013
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Becca Fitzpatrick – Rette mich

 

Engelkämpfe

 

Vorweg gesagt, es ist durchaus hilfreich, auch die vorhergehenden Bände der Reihe zu kennen. „Rette mich“ setzt bei den Ereignissen an, bei denen der Vorgängerroman endete und bietet eine auch zum Ende hin offene Geschichte. Vorkenntnisse sind also förderlich , um sich im „Kosmos“ der „Gefallenen Engel“ und der „Nephilim“, sowie in der Geschichte Noras und Patchs zurecht zu finden.

Wer aber von Nora und ihrem Patch, dem Schutzengel, bereits gelesen hat, der wird hier nahtlos in den Ereignissen weitergerührt.

 

Die 16jährige Nora war drei Monate verschwunden, wie vom Erdboden und erwacht ohne Erinnerung auf einem Friedhof, vor dem Grab ihres Vaters. Sie spürt umgehend eine Bedrohung, ohne diese auch nur im Geringsten einordnen zu können. Der Leser aber weiß durch den Prolog, die „Nephilim“ planen etwas, Sie wollen nicht länger hinnehmen, für einen Monat im Jahr die Kontrolle über ihren Körper „gefallenen Engeln“ zu überlassen.

 

Von all dem aber ahnt und spürt Nora wenig bis nichts. Sie muss zunächst damit fertig werden, dass sie überhaupt drei Monate verschwunden war und sogar an die letzten fünf Monate keinerlei Erinnerung mehr besitzt. Und sie muss damit fertig werden, dass die Welt sich weitergedreht hat. So weiter gedreht, dass der Vater ihrer Intimfeindin an der Schule, Hank, mit ihrer Mutter ausgeht und sich mehr entwickelt hat.

 

Ihr Leben nahtlos weiterleben? Unmöglich, wie sie feststellt, als sie versucht, „einfach so“ wieder zur Schule zu gehen. Und was sind das für Bilder des attraktiven, dunkelhaarigen Mannes, die ihr in ihren Träumen begegnen? Und was sind das für Wesen, die sich vor Ihren Augen in einen Bären verwandeln können. Oder war das nur eine geschickte Manipulation ihres Gehirns?

 

Fragen über Fragen, denen Nora, mutig nachgeht und nicht lockerlässt. Mit ihrer besten Freundin Vee, mit einem argwöhnischen Blick auf den neuen Mann an der Seite ihrer Mutter und mit einem ebenso kritischen Blick auf dessen Tochter Marcie, von der Nora bis dato nie etwas Gutes erfahren hat. Sollte sie sich dieser Intrigantin angenähert haben, wie Marcie behauptet? Könnte Nora sich doch nur erinnern.

 

Unaufhaltsam wird Nora so, ohne es zunächst zu Wissen, Teil einer sich zuspitzenden Auseinandersetzung zwischen „höheren Mächten“.

 

Wie gewohnt flüssig und mit eher einfacher Sprache legt Fitzpatrick durchaus eine temporeiche Fortsetzung vor. Mit einer sehr plastischen, aber auch einfachen und stereotypen   Bildsprache (der „rasiermesserscharfe Blick“ gehört hier ebenso ins Bild, wie das „Licht, das über Wände tanzt“) füllt Fitzpatrick so einen Rahmen, der im weitesten Sinne durchaus an „Twilight“ oder ähnliche mythisch angehauchte Romane erinnert. Mit der unvermeidlichen „großen Liebensgeschichte“ im Mittelpunkt des Geschehens.

 

Was alles in allem ein rundes, unterhaltsames Ganzes ergibt für jeden, der für diese Art Geschichten ein Faible besitzt.

Kritisch anzumerken ist allerdings, dass Fitzpatrick in den gefährlichen Momenten des Buches sprachlich eine Spannung nicht wirklich fühlbar und bedrängend aufzubauen versteht.

Die Reaktionsweise Noras z.B. auf den vor ihr stehenden Bären und dessen Angriff wirkt und bleibt unterkühlt und lässt nichts von einereigentlich zu erwartenden, kreischenden Panik verspüren. Auf solche inneren Spannungs- und Angstmomente muss der Leder somit verzichten, findet sich aber ansonsten in einer logisch konzipierten und gradlinig erzählten Geschichte wieder, die am Ende die Fortsetzung im nächsten Band erkennbar eröffnet.

 

M.Lehmann-Pape 2013