rororo 2011
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Ben Kay – Das Nest

 

Tödliche Wespen

 

In seinem ersten Roman legt Ben Kay einerseits eine flüssig und, in Teilen, durchaus spannend zu lesende Geschichte vor, die, andererseits, allerdings aus Motiven und Versatzstücken besteht, die man in vielfacher Form bereits gesehen, gelesen, gehört hat.

 

Der Prolog führt in die Berge Afghanistans, wo in einer Höhle islamische Gotteskrieger aus dem Umfeld Bin Ladens innerhalb weniger Augenblicke von riesigen Wespen angegriffen und bis auf das Skelett abgenagt werden. Diese Wespen werden nicht die letzten mutierten Insekten bleiben, die im Buch auftauchen werden.

 

Über das normale Maß weit hinaus entwickelte Insekten sind das erste der altbekannten Motive des Fiktion-Horror Genres. Das nächste folgt sogleich, denn schnell wird deutlich, dass das Nest jener aggressiven Riesenwespen nichts anderes als eine militärische Forschungsbasis ist, die tief in die Erde hineingebaut seit Jahren mit der genetischen Veränderung und damit militärischen Nutzung von Insekten sich beschäftigt, Das natürlich unter striktester Geheimhaltung. Ein neuen Impuls setzt Kay durch den gezielten Einsatz dieser genetisch veränderten Wespen, hier bleiben allerdings die eigentlichen Hintermänner wein wenig zu sehr im Dunkeln.

 

Im Kern der Geschichte mutet eine solche  Station mit ihren tiefliegenden  Gängen und geheimen Räumen nicht unbekannt an.

Eine Mischung aus „Mimikry“, „Tarantula“ und „Resident Evil“ ist es, die Ben Kay in seinen Grundideen aufgreift und durchaus geschickt neu anordnet und verbindet.

 

Zu guter letzt führt er, ebenso wie in den genannten Werken (oder auch in „Alien“) eine Gruppe zusammen gewürfelter Menschen ein, ebenso wie in Genre Vorbildern aus Soldaten, Forschern und unbeteiligten Zivilisten bestehend, die sich innerhalb der Station ihrer Haut erwehren und fieberhaft nach einem Ausgang suchen, während ein anderer Teil von außen versucht, Hilfe zu bringen. Denn, wie es sich gehört in der Abfolge solcher Geschichten, versagen natürlich alle Absperrmechanismen und die handvoll Überlebender sehen sich vielfältigen Bedrohungen durch eine  ebenso vielfältige, ins Gewaltige vergrößerte und hoch aggressiv gezüchtete, Schar von Insekten gegenüber. Wie in anderen, ähnlichen Geschichten, tritt auch in diesem Buch die stückweise Dezimierung der Gruppe in den Raum.

 

Trotz dieser vielfachen Ähnlichkeiten mit bereits sattsam bekannten Ausgangssituationen und Bedrohungen funktioniert das Buch von Kay dennoch in durchaus anregender Art und Weise. Zum einen gestaltet er seine Figuren nicht durchweg stereotyp, sondern fügt durchaus Schattierungen und Differenzierungen ein, die seinen Protagonisten reale Dimensionen verleihen, zum anderen scheut er sich nicht, auch Sympathieträger zu opfern (natürlich erst später im Buch). So gelingt es ihm hier und da, durchaus noch überraschende Wendungen einzufügen, die den Verlauf der altbekannten Geschichte spannend gestalten.

 

Ein solides, durchaus anregendes Leseerlebnis, dass nicht zu den Schlechtesten seines Genres gehört, allerdings aufgrund der sattsam bekannten Motive und Grundzüge des Romans auch keine Offenbarung darstellt.

 

M.Lehmann-Pape 2010