Goldmann 2016
Goldmann 2016

Cassandra Clare – Lady Midnight

 

Episch

 

Besonderen Wert scheint Cassandra Clare zunächst darauf zu leben, dass sich absolut einprägt, wer da wie ist, was mit wem zu tun hat und wohin die Reise gehen könnte.

 

So ist nach wenigen Seiten klar, dass die Parabatoi Emma Carstairs und Julian Blackthourne zwar von Gesetz her nur platonisch einander im Leben und im Kampf zur Seite zu stehen haben (Sex zwischen Parabatoi wird gerade noch toleriert, Liebe ist gegen das Gesetzt du wird hart sanktioniert. Warum es nun ein so lebensfremdes Gesetz überhaupt gibt, findet inhaltliche keine Begründung).

 

Diese „Hingezogenheit“ verfolgt Clare dann hunderte von Seiten immer wieder unnd gibt immer wieder ein Bild des waidwunden Julian vor Augen, doch ebenso wie Besuche von wichtigen Menschen (zumindest auch aus vorhergehenden Werken) wirken zu oft „einfach so“ in den Fluss der Geschichte eingebaut und verschwinden auch meist schnell wieder unter irgendeinem Vorwand.

 

Wobei die Idee, den Kern der „neuen“ in Form eines Tarotspiels mit einzelnen Stichworten zu charakterisieren genial ist und den Leser zumindest bei diesen Hauptfiguren auch ein  Bild der Persönlichkeit vermittelt

 

Im Gesamtwerk der Autorin ist ein erheblicher Figurenreichtum zu erkennen, der auch in diesem Buch sich wiederum und noch erweitert. Kern der Geographie ist Los Angeles, hier kommt 2Das Institut“, der Ort der Schattenkämpfer, unter Druck.

 

Leichen pflastern die Straße, 12 bisher an der Zahl. Und es dauert nicht lange, als klar wird, dass hier ein besonderes Ritual vorbereitet wird. Da Julian und Emma sich aus bestimmten Gründen bedeckt halten müssen und ihnen die Ermittlungen auch gar nicht obliegen, müssen sie ihre Neugier und ihren Wissensdrang heimlich führen. Denn auf allen Leichen finden sich jene Runen, die Emma auch auf den Leichen ihrer Eltern entdeckt hat.

 

Und bald wird immer deutlicher, dass beiden einigen Gruppen auf die Füße treten, die solche Ermittlungen gar nicht wollen. Was für mache gefahrvolle Situation und Verwundung führt (leider sind diese spannenden und bildlich gut gestalteten Situationen rar gesät).

 

Dennoch ergibt sich ein klarer und stringenter Lesefluss, lässt man die vielen nachdrücklichen Wiederholungen von Kernthemen des Werkes einmal zur Seite.

 

Clare schreibt einen sehr schönen, differenzierten Stil, in dem sie das magische, alte, bedrohliche der Magie ebenso auf den Punkt zu beachreiben versteht, wie die lockere Art der modernen Teenager, die nun als Team gegen die Gefahr antreten. Der „perfekte Diego“ passt da ebenso ins Bild, wie die draufgängerische Emma, der besonnen Julian oder der ganz besondere Bruder Ty mit seinen vielen Eigenarten, vom „verlorenen Sohne“ gar nicht erst anzufangen.

 

Und zum Ende hin wird es knackig spannend, obwohl sicherlich Fortsetzungen der Geschichte schon im Text winken.

 

Eine interessante und gut zu lesende Fantasy-Geschichte mit einem Übergewicht auf Seiten der Romantik und manchen Längen durch zu häufige Wiederholungen.

 

 

 

M.Lehmann-Pape 2016