Hoffmann und Campe 2013
Hoffmann und Campe 2013

Chase Novak – Breed

 

Stimmig aufgebaut

 

Der erste Hamster, schon leicht verwest, schmeckt köstlich. Wie Alex Twisden feststellen wird.

 

Wie er dahin gelangt ist? Eine längere Geschichte, kann man sagen. Denn eigentlich wollte Alex nur ein Kind. Eine Fortführung der alterwürdigen Familienreihe, die ihn als erfolgreichen Anwalt in dieses herrschaftliche Haus in New York hineingeboren hat. Die passende Frau hat er gefunden, tiefe Liebe verbindet ihn und seine Frau Leslie. Aber die Krönung fehlt.

 

Alles haben die beiden bereits versucht, inklusive ihrer Selbsthilfegruppe, dem „Befruchtungsverein“, wie Alex dies spöttisch nennt. Doch dann wird ein Paar dort schwanger. Für die Information, wie das geschehen konnte, zahlt Alex, keine Frage.

 

Die Reise nach Slowenien, der heruntergekommen und verrückt wirkende Forscher, die Injektionen, wobei der alte Mann nur was von „Grundel“ murmelt. Eine der vielen (verhängnisvollen) Zutaten des Elixiers, so scheint es. Zutaten mit Folgen, so scheint es dann nicht, so stellen es Alex und Leslie umgehend fest, als sie ihr Hotelzimmer wieder betreten. Wunderbare Folgen, einerseits, denn Leslie wird schwanger. Merkwürdige Folgen auch, denn warum sprießen bei beiden die Haare in solch unglaublicher Fellform? Woher kommt die kaum zu beherrschende Aggression? Und dieser Hunger auf merkwürdige Dinge?

 

Langsam, aber durchaus spannend und bedrohlich führt Novak den Leser auf diese „Reise der Wandlung“. Keine unbedingt neuen Elemente sind es, die er seinem Horror Roman zugrunde legt. Spätestens seit Kafka ist das Motiv des sich verwandelnden Menschen intensiv bekannt. Aber die Grundlagen, die Novak schafft, die spezielle Ausrichtung des „Hungers“, der entsteht, die Folgen für die Kinder, auch wenn nicht alles der Logik folgt (wie auch bei einem Horrorroman?), durchaus spannend und drastisch erzählt Novak seine Geschichte von Hoffnung, Sehnsucht, Verwandlung, Liebe, Bedrohung. Allein schon die Beschreibungen der Wohnräume, das Ergehen des besagten „ersten Hamsters“, der langsame Verlust der Kontrolle, Flucht und Verfolgung, Menschen, die versuchen zu helfen und Kämpfe, die Blut kosten, all das sorgt für eine intensive Atmosphäre, in welcher der Leser in seinen Sympathien und Antipathien gehörig hin- und hergeworfen wird.

 

Zudem versteht Novak das „Handwerk des Schreibens“. Ein differenzierter Wortschatz, zur rechten Zeit sich aufbauende Spannungskurven und filmreif beschriebene Verfolgungsjagden, Kämpfe, Sackgassen, Fluchten, all das liest sich sehr flüssig und dicht. Vielleicht allerdings ein wenig zu sehr auf „da Auge“ fokussiert, zu sehr nach einer Verfilmung fast schon rufend und, in diesen Szenen, dann zu wenig hintergründig und emotional spannend.

 

Wie dann Novak zum Ende hin Hoffnungen erzeugt und weiter damit umgeht, wie sich dies alles auflösen wird, darauf wiederum arbeitet das Buch stringent hin.

 

Ein spannender, die Figuren gut treffender Thriller, der drastische Momente nicht auslässt, aber nicht nur in den teils brutalen, hier und da auch ekelerregenden Schilderungen sein Heil sucht, sondern seine besonderen Momente im Aufbau der Spannung auf diese Ereignisse hin hat. Es hat schon Klasse, wie Novak den „Weg in den Keller“ von Alex und Leslies Seite her aufbaut. Da muss er gar nicht mehr zu genau hinsehen, was da im Keller dann passiert.

 

M.Lehmann-Pape 2013