Bloomsbury Berlin 2011
Bloomsbury Berlin 2011

Chris Priestley – Schauergeschichten vom schwarzen Schiff

 

Sanfter Grusel für junge Leser

 

Sicher wird man die Zielgruppe dieses, schon in der Form schön gestalteten, Buches im Schwerpunkt bei Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren anzusetzen haben. Dennoch aber sind die einzelnen Geschichten und die hervorragenden Illustration auch eine angenehme Lektüre für Erwachsene. Sicher eher einfach in der Sprache, aber schön geschrieben und in sich fundiert aufgebaut, bietet das Buch allseits ein schönes Leseerlebnis.

 

In der Rahmenhandlung betritt ein Fremder das Old Inn, hart an der Klippenkante erbaut und ehemals Treffpunkt vieler Seelaute, jetzt aber vereinsamt ob des Unglücks, dass die Familie mit dem Tod der Mutter im Kindbett ereilte. Der Wohnort der nun Halbwaisen Ethan und seiner Schwester Cathy mitsamt ihrem Vater.

Der Fremde bittet um  Einlass ob eines heftigen Unwetters und natürlich erlauben die beiden Kinder dem Mann den Aufenthalt.

 

Der Beginn einer Geschichtenzeit, die der Mann zum Dank und zur Unterhaltung erzählt. Geschichten, die oft ganz harmlos beginnen und dann ein gruseliges, teils auch grausames Ende nehmen (die Reißzähne der holden Piroschka an Bord eines Auswandererschiffes sind sicherlich nicht leicht zu verkraften). Oder die sich selbständig machende, lebendige Tätowierung, die Stephen und Matties Schicksal sein wird.

 

Selbst die Rahmenhandlung der beiden Kinder mitsamt dem Fremden wird zum Ende des Buche hin noch eine, zum Duktus aller Geschichten passende, Wendung nehmen, die sprachlos zurücklässt. Sicher insgesamt für jüngere Kinder nicht geeignet, zu erschreckend sind mancherlei Wendungen, die Priestley in sein Buch hinein legt. Hat man allerdings den vielfachen, teils subtilen, teils offenkundigen Schrecken der Geschichten verkraftet, dann kann man aufatmend dem Weg der beiden Männer am Ende des Buches folgen:

 

„Komm, lass uns zurück gehen ins Land der Lebenden!“.

 

11 Kapitel bietet das Buch, das 1. und das 11. Kapitel bieten die Rahmenhandlung um die beiden Kinder mit dem Fremden, die restlichen 9 Kapitel beinhalten je eine Schauergeschichte, aber führen am Ende jeden Kapitels auch wiederum ein Stück weiter im roten Faden des verbindenden Rahmens.

 

Ruhig und fließend geschrieben, nicht blutrünstig und dennoch voller subtilen Grusels führt Priestley den Leser mitten hinein  in die Welt der „anderen Seite“ und vermag es, den Spannungsbogen jederzeit aufrecht zu erhalten. Durchgehend passend und atmosphärisch treffend illustriert von David Roberts eine anregende und unterhaltsame Lektüre

 

M.Lehmann-Pape 2011