Manhattan 2014
Manhattan 2014

Chuck Palahniuk - Verdammt

 

Ungewohnt, schräg, unterhaltsam

 

Nun, eigentlich ist Madison Spencer auf Rettungsmission. Das ist so ihre Art. Wobei es auch ihre Art entspricht, wie das mit 11, 12, 13 Jahren eben der Fall ist, die Dinge zu machen, die sie möchte. Und wenn das allgemein nicht gern gesehen wird, Madison findet schon einen Weg.

 

Deshalb sagt sie nicht immer alles und achtet darauf, dass ihre Eltern (die allerdings meist mit sich schon genug beschäftigt sind) und ihre Großeltern (bei denen sie zur "Besserung" einquartiert wurde), nicht alles mitbekommen oder wissen.

Was in Bezug auf Fragen der Ewigkeit und der damit einhergehenden Entscheidung zwischen Himmel und Hölle schon durchaus gravierende Folgen (für die Eltern, z.B.) nach sich ziehen könnte. Wenn da die ein oder andere Info fehlt.

 

Und mit der Hölle, da hat Madison Erfahrungen. Genügend, auch wenn sie gerade erst acht Monate dort verbracht hat.

 

Wie aber starb sie mit im 13. Lebensjahr überhaupt? Und wieso ging der Weg dann geradewegs nach "unten"? Und wieso ist sie jetzt wieder da? Mit einer Mission, die sie selbst langsam erst erkennt, die aber schon vor langen Zeiten mit ihrer Person verwoben war. Sagte der Engel am Telefon bei ihrer Großmutter, so scheint es zumindest.

 

Nun, das sind die Fragen, die den Leser im Verlauf der Lektüre auch erst ganz langsam in Antwortnähe geraten lassen.

 

In Form von "Twitter-Berichten" als je kurzen Kapiteln erzählt Madison ihre verdrehte Geschichte und das mit einer legeren, coolen Kaltschnäuzigkeit und jeder Menge trockenem Humor (wobei immer wieder im Hintergrund mitschwingt, dass sie eben doch noch ein Kind ist), dass diese Reise aus dem Leben in die Hölle und zurück ein echtes Lesevergnügen darstellt. Wobei der Anlass ernst ist, denn Verdammnis ist ihr Auftrag. Aber Madison hat ja noch nie unbedingt das getan, was man ihr gesagt hat.......

 

Wenn "madisonspencer@aftrlife.hell" dabei von den Schrullen ihrer Großeltern erzählt, mitten drin immer wieder die ernsten Blicke der beiden schildert und diese ominösen Andeutungen, dass es mit ihr aber etwas ganz Besonderes für die Welt auf sich hat.

 

Wenn sie auf dieser dunklen, öffentlichen Toilette auch noch ihre Brille verliert und damit blind wie ein Stockfisch ihrem Großvater begegnet in einer sehr folgenreichen Art, dann ist man bereits mittendrin in diesem verdrehten Humor und diesem Bericht aus der Hölle und dem Versuch der Rettung der Welt.

 

"Leb wohl, ungleicher Lohn für Frauen und Farbige, Auf Nimmerwiedersehen postkolonialistische Umweltzerstörung". Jubelt Madisons Mutter dem Paradies entgegen.

 

"Sayonara, repressive Popkulturklischees!" ist die Art ihres Vaters, diese Welt zu betrachten.

 

Aber wohin geht der verschlungene Weg, dem eine merkwürdige Limousine folgt.

 

Hier führt Palahniuk durch seine Person der Madison hinter aller Situationskomik, den  Leser immer wieder auf die eigentlichen Themen dieses schrägen Entwicklungsromans.

 

"Geneigter Twitterer, wie hättest du dich jemals überwinden können, so innig zu leben, wenn du gewusst hättest, wie kurz ein Leben sein kann"?

 

Aber gegen die Liebe (in Madison-besonderer Form) kommt man eben nicht an und allein dort ist die Kraft für das eigene Leben zu finden: "Ab jetzt will ich ...... mein Schicksal selbst in die Hand nehmen können".

 

Denn vieles von dem, was sie erlebt, ist von anderen Kräften im Hintergrund nicht zu knapp manipuliert worden. Was aber dauert, bis das ihr und vor allem dem Leser wirklich klar wird.

 

 

Schräg, mit trockenem Humor und einer gehörigen Portion Frechheit entfaltet Palahniuk seine Madison in diesem "verdammten" Roman. Und auch wenn der Stil der durchgehenden Twitterberichte auch seine Längen aufzeigt und auch auf Dauer ein wenig anstrengend daherkommt, bietet der Roman doch vordergründig wunderbar humorvolle Unterhaltung und hintergründig einen Blick auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens (die man im Trubel doch leicht aus den Augen verlieren kann).

 

M.Lehmann-Pape 2014